Die Forderung hat einen ernsten Hintergrund. Als kurz nach den Anschlägen in Paris vor gut drei Wochen in der Innenstadt ein Böller explodierte, löste das eine Panik aus. Die Menschen rannten gefühlt um ihr Leben. Viele sind seit den Terrorattacken mit 130 Toten verunsichert.

Der Grüne Hans-Christian Ströbele findet deshalb, dass der Verkauf von extrem lauten Krachern für das Silvesterfeuerwerk verboten werden sollte. "Die Leute wissen ja nicht, was das ist, was so fürchterlich bumst", sagte der Bundestagsabgeordnete. Ströbele ergänzte in einem Interview: "Sinnvoll ist ein Verbot von größeren Feuerwerkskörpern mit der drei- bis zehnfachen Knallkraft normaler Böller."

Knallen, aber bitte leise. Geht das oder ist das absurd? Sollte man sogar wegen der Terrorgefahr auf Feuerwerk und Explosionen verzichten, um nicht Ängste zu schüren?

Die Meinungen im Netz sind dazu eindeutig: "Ströbele will wohl in der Silvesternacht schlafen", wurde am Mittwoch bei Twitter gespottet. "Brötchentüten sind genauso laut." Und: Ströbele solle "schon mal Probehören machen".

Die Forderung ist freilich nicht neu. Bereits nach den Anschlägen in New York im Jahr 2001 war in Deutschland ein Verbot von Silvesterfeuerwerk diskutiert worden. 2007 hatte die belgische Hauptstadt Brüssel wegen Terrorgefahr das Zünden von Knallkörpern zum Jahreswechsel untersagt.

Allerdings warnt der Vorsitzende des Innenausschusses des Bundestages, Ansgar Heveling (CDU), vor Panikmache: "Wir sollten gerade angesichts der Gefahrenlage auch in der Politik bei Forderungen Maß halten", riet er Ströbele. "Das trägt am besten dazu bei, die Bevölkerung nicht zu verunsichern", sagte Heveling der RUNDSCHAU.

Auch der Verband der Pyrotechnischen Industrie hält ein Verkaufsverbot von extrem lauten Böllern für überflüssig. "Die Forderung ist zwar nett, aber schon im Gesetz verankert", sagte der Geschäftsführer des Verbandes, Klaus Gotzen, auf Nachfrage.

Nach dem deutschen Sprengstoffgesetz und einer EU-Richtlinie sei der maximale Schallpegel von Krachern bereits festgelegt. "Die Böller, die Herr Ströbele meint, sind in Deutschland nicht zugelassen und illegal." Zudem gebe es schon seit Jahrzehnten die Regelungen, dass in unmittelbarer Nähe von Krankenhäusern oder Kinderheimen kein Feuerwerk gezündet werden dürfe. Auch können Kommunen die Knallerei einschränken. Stattdessen, so Gotzen, müsse die Politik stärker gegen illegale Feuerwerksartikel vor allem aus Osteuropa vorgehen. Sie seien wesentlich lauter und gefährlicher.

Insgesamt vertritt der Verband nach eigenen Angaben die führenden Feuerwerkshersteller in Deutschland. Im vergangenen Jahr setzte die Branche 129 Millionen Euro um. In etlichen deutschen Städten ist die Knallerei am Silvesterabend auch schon verboten, und zwar wegen der hohen Brandgefahr für Fachwerkhäuser und Reetdächer.

Noch rigoroser wollen jetzt die Niederlande vorgehen: Wegen Tausender Beschwerden über die ungezügelte Knallerei sowie zahlreicher Schäden und Verletzungen werden in diesem Jahr im Nachbarland 56 Städte und Gemeinden das private Silvesterfeuerwerk verbieten.

Kommentar: Das ist Mumpitz