Präsident gegen Boxer: Die Partei von Staatschef Viktor Janukowitsch hat sich bei der Parlamentswahl in der Ukraine gegen die prowestliche Bewegung von Vitali Klitschko durchgesetzt. Zwar schaffte Klitschkos Partei Udar (Schlag) erstmals den Sprung in die Oberste Rada in Kiew. Nach Auswertung von fast zwei Dritteln der Stimmzettel kann Janukowitschs Partei der Regionen aber weiter mit den Kommunisten regieren. Die starke Opposition um die Partei der inhaftierten Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko kündigte harten Widerstand an.

Kritik an der Abstimmung kam aus dem Westen. Die Wahl sei ein demokratischer Rückschritt gewesen, beklagte die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). "Man sollte nicht ein Gefängnis besuchen müssen, um von der führenden politischen Figur des Landes zu hören", sagte OSZE-Sprecherin Walburga Habsburg Douglas in Kiew unter Verweis auf die umstrittene Freiheitsstrafe Timoschenkos. Der 51-Jährigen war von der Wahlkommission die Kandidatur verwehrt worden.

Die Anführerin der prowestlichen Orangenen Revolution von 2004 trat aus Protest gegen Wahlfälschungen erneut in einen Hungerstreik.

Klitschko forderte die demokratischen Kräfte in der Obersten Rada mit Nachdruck auf, gemeinsam für eine Ablösung des "korrupten Regimes" von Janukowitsch zu kämpfen. Der Präsident sei der gemeinsame Feind, sagte der 41-jährige. Unter den fünf Parteien im neuen Parlament sind erstmals auch die ultrarechten Nationalisten der Partei Swoboda (Freiheit). Die Partei der Regionen kam nach Angaben der Wahlleitung in Kiew nach Auszählung der meisten Wahlzettel auf mehr als 33 Prozent der Stimmen. Die Vaterlandspartei von Timoschenko erhielt gut 23 Prozent, die Partei der Kommunisten erzielte rund 14,3 Prozent. Die Klitschko-Partei erreichte gut 13 Prozent, die rechtspopulistische Freiheitspartei etwa neun Prozent. Bei den Direktmandaten lag Janukowitschs Partei deutlich in Führung. Rund 36,6 Millionen Ukrainer waren am Sonntag in dem nach Russland größten Flächenstaat Europas aufgerufen, die 450 Abgeordneten zu wählen.

Die Wahlbeteiligung in dem wichtigsten Transitland von russischem Gas für die EU betrug 58 Prozent. Die Ukraine übernimmt 2013 als zweite Ex-Sowjetrepublik den OSZE-Vorsitz. Der Grünen-Europaparlamentarier Werner Schulz lobte einzelne Fortschritte, forderte aber zugleich die Freilassung politischer Gefangener. "Die Tür nach Europa steht der Ukraine somit weiter offen", teilte Schulz mit. Seine Parteigenossin Rebecca Harms warnte vor einer vorschnellen Anerkennung der Wahl. Ein fairer Wahlkampf sei nicht möglich gewesen.