„Die Situation bereitet mir einiges Kopfzerbrechen“ , sagt Andreas Grahlemann. Seit Anfang Juli ist der 53-Jährige Geschäftsführer des Klinikums. Zuvor hat er jahrelang das Klinikum in Frankfurt (Oder) geleitet. Über das Ergebnis des vergangenen Jahres ist Grahlemann bestürzt. Seit seinem Dienstbeginn hatte er sich die Situation im Hause angeschaut, Zahlen gewälzt und im Anschluss die Belegschaft während einer Betriebsversammlung über die anstehenden Schritte informiert: Ein Einstellungsstopp ist verhängt worden, frei werdende Stellen werden nicht neu besetzt. Zudem sollen befristete Verträge auslaufen. Nach Angaben des Klinikums gebe es derzeit rund 80 befristete Verträge. Zehn jungen Pflegekräften wurde laut Betriebsrat in der Probezeit gekündigt. „Betriebsbedingte Kündigungen kann ich zurzeit aber ausschließen“ , so Grahlemann.
Tatsächlich beruhigend wirken sich diese Aussagen auf die Belegschaft nicht aus, so die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Angelika Schubert. Bis Ende des Jahres seien Kündigungen qua Tarifvertrag ausgeschlossen. Für diese Zusicherung seien in der Vergangenheit Zugeständnisse bei der Betriebsrente gemacht worden. Was nach Jahresende kommt, sei unklar.
Der Betriebsrat stützt aber dennoch den Kurs des neuen Geschäftsführers. „Klar ist, dass wir jemanden brauchen, der uns aus diesem Tief holt“ , so Betriebsrätin Schubert. Dafür sei die Belegschaft bereit, Zugeständnisse zu machen. Derzeit werde mit der Dienstleistungsgewerkschaft verdi über einen Notlagentarifvertrag verhandelt. „Wenn das Arbeitsplätze rettet, sind wir dazu bereit“ , sagt die 46-Jährige.
Schubert macht für das Defizit Managementfehler verantwortlich. „Größenwahn“ sei einer davon. In den vergangenen Jahren seien falsche Entscheidungen getroffen worden. So sei Forschung herangeholt worden, ohne dass die Finanzierung gestanden habe. Eine Position, die auch Andreas Grahlemann stützt. „Wir sind ein Versorgungskrankenhaus und keine Forschungseinrichtung“ , sagt er.
Als Beispiel für eine Fehlentscheidung nennt Angelika Schubert den Einsatz eines neuen Herz-Diagnosesystems, des Magnetkardiographen. Gekostet hatte der Einsatz des Gerätes die Klinik nach Angaben des zuständigen Bürgermeisters Thomas Delling mehrere hunderttausend Euro. Vor 14 Tagen hatte die Klinik bekannt gegeben, dass sie das Gerät nicht weiterbetreiben will.
Vorwürfe erhebt Angelika Schubert gegen den Aufsichtsrat des Klinikums. „Der Aufsichtsrat hätte das sehen müssen“ , sagt sie. Thomas Delling, selbst Mitglied des Aufsichtsrates, sieht keine Versäumnisse. Ein Aufsichtsrat könne nur gegensteuern, wenn die Dinge völlig falsch laufen - das zu erkennen sei aber schwierig. „Ob Entscheidungen Erfolg haben werden oder nicht, lässt sich nicht immer vorher sagen“ , betont er. Letztlich habe sich herausgestellt, dass der Ex-Geschäftsführer im investiven Bereich „zu optimistisch“ gewesen sei. „Zum Teil wurden Dinge angeschoben, die für eine Uniklinik tragfähig sind, nicht aber für ein relativ kleines Klinikum“ , so Delling.
Auch Oberbürgermeister Horst-Dieter Brähmig, der Vorsitzender des Aufsichtsrates ist, sieht keine Versäumnisse bei dem Gremium. Dass Personal abgebaut werden muss, sieht Brähmig angesichts schrumpfender Patientenzahlen als „leider alternativlos“ an. Es bestehe aber kein Grund zur Panik, betont Brähmig: „Wir befinden uns auf dem Weg der Konsolidierung - die Fehlentwicklung wurde rechtzeitig erkannt.“

Zum Thema: Finanzielle Situation Lausitzer Kliniken Derzeit brüten die Aufsichtsräte der Kliniken über den Jahresabschlüssen 2005, genaue Zahlen sind noch nicht bekannt. Heidrun Grünewald, Geschäftsführerin des Cottbuser Carl-Thiem-Klinikums kann sich zumindest schon über eine positive Bilanz freuen, sagt aber auch: "Die Einschnitte durch die Gesundheitsreform, die Erhöhung der Mehrwertsteuer und die Tariferhöhungen können uns in arge Bedrängnis bringen." Mit im schlimmsten Fall acht Millionen Euro Mehrbelastung für 2007 rechnet die Klinik. 2004 konnten 3,3 Millionen Euro Gewinnrücklage gebildet werden. Das Krankenhaus Forst schrieb in den Jahren 2002 und 2003 rote Zahlen. Nach Reorganisation und mit einem Sondertarifvertrag kam das Haus 2004 wieder in die Gewinnzone (rund 250 000 Euro plus). Der Jahresabschluss 2005 wird erst Ende der Woche bekannt gegeben. Das Naemi-Wilke-Stift in Guben , ein Haus in kirchlicher Trägerschaft, hat einen freiwilligen Wirtschaftsprüfungsbericht für das Jahr 2005 erarbeitet. "Und da", so Rektor Stefan Süß, "bewegen wir uns im grünen Bereich."

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