In manchen dieser Jahre konnte er darüber hinaus auch noch einige der ihm zugeteilten Verschmutzungszertifikate verkaufen, weil er die zugeteilte Menge gar nicht benötigte. Dies und die in der Kalkulation bereits enthaltenen Preise für die Zertifikate führten zu außergewöhnlichen Gewinnen. Von ihnen wiederum profitierten die Kommunen und Bundesländer, in denen die Unternehmen Steuern entrichteten.

Damit wird in diesem Jahr Schluss sein. Im Rathaus in Cottbus weiß derzeit keiner, wie sich die Einnahmen aus der Gewerbesteuer entwickeln, die 2007 bei etwa 27 Millionen Euro lagen. Betroffen ist auch Spremberg (Spree-Neiße), das vor allem wegen des Kraftwerkes Schwarze Pumpe im Jahr 2007 zwölf Millionen Euro verbuchen konnte.
Auch die Gemeinde Teichland (Spree-Neiße) profitierte bislang ganz besonders von den Vattenfall-Gewinnen. Und in Sachsen waren Boxberg und Weißwasser (Landkreis Görlitz) die Gewinner.

Die Gewerbesteuer ist wie die an das Land abgeführte Körperschaftssteuer ertragsabhängig. Vattenfall wird für die weitere Stromerzeugung in der Lausitz erhebliche Beträge aufwenden müssen – und die werden den Gewinn des Unternehmens nach unten drücken.

Im laufenden Jahr wird Jänschwalde nur noch CO2-Zertifikate für etwa zwölf Millionen Tonnen zugeteilt bekommen, was gerade mal für ein halbes Jahr reicht. Soll dort weiter Braunkohle verfeuert werden, so müssen Zertifikate zugekauft werden. Sie kosten zwischen 20 und 28 Euro pro Tonne. Insgesamt muss das Unternehmen allein für den Dauerbetrieb von Jänschwalde wenigstens 200 Millionen Euro zusätzlich aufbringen.
Beim Kraftwerk Schwarze Pumpe sieht es etwas besser aus, weil dort der Ausstoß des Klimakillers CO2 verhältnismäßig gering ist. Aber auch in Spremberg werden Zertifikate für wenigstens vier Millionen Tonnen benötigt, wenn die Erzeugung in etwa auf gleichem Niveau bleiben soll. Die hohen Aufwendungen führen zwangsläufig zu einem Gewinneinbruch der Unternehmensteile, die in der Region und im Land Brandenburg Steuern entrichten. Das Minus bei den Ämtern in Cottbus und Potsdam ist allerdings mit einem unerwarteten Geldsegen in der Bundeskasse verbunden. Denn zehn Prozent der Verschmutzungszertifikate werden zugunsten des Bundeshaushaltes zu Marktpreisen verkauft. Bis Juni dieses Jahres nahm so der Bund 422 Millionen Euro ein, für das gesamte Jahr rechnet er mit knapp einer Milliarde. Gleichzeitig geht die Bundesregierung davon aus, dass dies zu Steuermindereinnamen in Höhe von etwa einem Drittel dieser Summe führen wird. Diese Mindereinnamen werden allerdings nicht Bundessteuern schmälern, sondern sich vor allem auf lokaler Ebene bemerkbar machen.

Vorgesehen ist derzeit zunächst eine Verwendung von 280 Millionen Euro für Projekte des Bundesumweltministeriums, insbesondere auch für Einrichtungen und Gebäude von Kommunen in der gesamten Bundesrepublik. Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) stellte im Juni ein entsprechendes Programm vor. Weiter sollen damit kleine Anlagen der Wärme-Kraft-Kopplung und effektivere Großkühlanlagen gefördert werden. Nach dem derzeitigen Informationsstand liegen dazu keine Anträge aus der Lausitz vor. 120 Millionen Euro sollen im Ausland für Klimaschutzprojekte ausgegeben werden. Der verbleibende Rest von mehr als 500 Millionen Euro soll bei der allgemeinen Haushaltssanierung helfen. Politiker reagieren auf die Geldflüsse entweder mit Schweigen oder Gereiztheit. Der Cottbuser Oberbürgermeister Frank Szymanski (SPD) will keine Stellungnahme abgeben. Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) erklärte mehrfach, bei solchen Abflüssen von regionaler Wertschöpfung in die Bundeskasse finde üblicherweise keine Verrechnung statt.