Josefsson, Vorstandsvorsitzender von Vattenfall Europe, ist seit langem ein engagierter Kämpfer gegen die Klimakatastrophe. Dass sie von Menschen gemacht ist, ist für ihn klar. "Man kann zu keinem anderen Schluss kommen", sagte er. Der 56-Jährige spricht perfekt deutsch, seit er, damals noch für den Handy-Hersteller Ericcson, vier Jahre lang in Österreich arbeitete. Kanzlerin Angela Merkel berief ihn gestern als Klimaberater für ihre kommende Präsidentschaft in der EU und beim G8-Weltwirtschaftsgipfel, weil die ökonomischen Argumente für eine aktive Klimapolitik immer wichtiger werden.
Ausdrücklich erwähnte Merkel das Gutachten des Weltbank-Ökonomen Nicholas Stern, der eine weltweite Wirtschaftskrise vorhersagt, falls jetzt nicht in den Klimaschutz investiert wird. Auch Josefssons Motiv ist ökonomischer Art. Er sehe "unmittelbare Folgen des Klimawandels für unser Geschäft", sagte er in einem Interview. Und zwar schon in den nächsten zehn Jahren. Josefsson hat ein Konzept für einen globalen Emissionshandel vorgelegt, weil er glaubt, dass der Markt den C0 2 -Ausstoß am ehesten bremsen kann. Außerdem werde es starke Impulse für Innovationen und Investitionen geben, wenn die Verschmutzung der Luft teurer wird. Vattenfall baut in Schwarze Pumpe gerade eine Pilotanlage für ein C0 2 -freies Kohlekraftwerk.
Merkel hängt den Klimaschutz in ihrer Präsidentschaft ganz hoch. "Wir stellen in den nächsten Jahren die Weichen für Jahrhunderte", sagte sie. Ziel sei es, die Rahmenbedingungen für ein zweites Kyoto-Abkommen zu schaffen, da das erste 2012 ausläuft. "Die Zeit drängt." Der andere gestern vorgestellte Regierungsberater, Hans Joachim Schellnhuber, teilt das uneingeschränkt. Schellnhuber leitet das Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung. Seine drastische Analyse: "Wenn Kyoto nicht gelingt, sehe ich keine Chance, den Klimawandel noch in einem akzeptablen Rahmen zu halten." Der liegt nach seiner Meinung bei einer globalen Erwärmung von zwei Grad. Der 56-jährige gebürtige Bayer hat große internationale Erfahrung. Er ist auch Forschungsdirektor im Tyndall Centre for Climate Changes in der Nähe von London und hat mit dem Stab de s britischen Premierministers Tony Blair schon beim G8-Gipfel 2005 in Gleneagles zusammengearbeitet, wo das Klimathema zum ersten Mal auf der Tagesordnung stand. Auch mit Angela Merkel hatte er schon Kontakt. Als diese Umweltministerin war und in Kyoto 1997 das erste Klimaabkommen aushandelte, gehörte Schellnhuber zur Delegation. Schellnhuber ist theoretischer Physiker, wie Merkel. Über die Beschäftigung mit der Chaostheorie kam er zur Erforschung des Weltklimas. Der 56-Jährige sieht die Entwicklung wissenschaftlich nüchtern, aber umso drastischer. Bis 2050 müsse man den C0 2 -Ausstoß weltweit halbieren. "Alles andere ist wie das Aufräumen der Liegestühle auf dem Deck der Titanic."