Angesichts des großen Augenmerks, das in diesem Jahr dem 850. Geburtstag der Mark Brandenburg gilt, betont Jüterbogs Bürgermeister: „Wir sind stolz, die älteste Stadt in Brandenburg mit verbrieftem Stadtrecht - nämlich von 1174 - zu sein.“ In den meisten Winkeln der 13 000-Einwohner-Gemeinde ist diese Historie unübersehbar: Das repräsentative Rathaus, das den Marktplatz schmückt, ist stolze 500 Jahre alt.
Rüdiger selbst „residiert“ in einem Gewölbe-Saal, in dem einst die Fürsten ihre Verhandlungen führten. Wenige Schritte weiter, eine kleine Gasse mit Kopfsteinpflaster hindurch, an schmuck-renovierten Häuschen vorbei, steht die Nikolaikirche mit ihren zwei unterschiedlichen Spitzen auf den Türmen. 1307 wurde das Gotteshaus erstmals erwähnt.
Auch die drei Stadttore, elf Wehrtürme, die in großen Teilen erhaltene Stadtmauer oder das einstige Franziskanerkloster lassen die Geschichte der Kleinstadt greifbar werden. „Rund 100 Millionen Euro sind seit der Wende in die Altstadt investiert worden, etwa 70 Prozent konnten damit schon saniert werden“ , sagt Bürgermeister Rüdiger.
Probleme bereiten nach wie vor die etwa 10 500 Hektar einstige sowjetische Militärliegenschaften. Die machen nach Auskunft des Bürgermeisters 60 Prozent der Stadtfläche aus. „Die Konversion können wir alleine nicht stemmen“ , betont der Politiker, der seit 1990 Stadtoberhaupt von Jüterbog ist.
Schaut man auf die touristischen Attraktionen in und um Jüterbog, dürfte sich vor allem die Jugend angesprochen fühlen: Europas längste Skaterstrecke, der „Fläming Skate“ , schlängelt sich auf mehr als 225 Kilometern durch die Region. „Der Fläming Skate ist zweifellos unser Spitzen-Produkt“ , sagt der Geschäftsführer des Tourismusverbandes, Traugott Heinemann-Grüder.
Aber das Kloster Zinna, die Draisinen-Strecke von Zossen nach Jüterbog, ein „Erlebnishof“ im gerade einmal 80 Einwohner zählenden Stadtteil Werder oder diverse Fahrradfernwege locken ebenfalls die Gäste. „Schließlich können wir das Demografieproblem nur in den Griff bekommen, wenn wir uns um die Jugend kümmern“ , sagt Heinemann-Grüder.
Und so soll auch das Frühlingsfest ein Großereignis insbesondere für die Jugend werden. „Wir hoffen auf mindestens 25 000 Besucher“ , formuliert der Tourismus-Experte das ehrgeizige Ziel. Neben Festumzug, kulinarischen Köstlichkeiten oder Handwerkermeile ist zum Auftakt ein Konzert mit Jugend-Bands aus dem Fläming geplant. Und da die Region sich nicht nur über fünf Landkreise erstreckt, sondern auch bis an Magdeburg heran reicht, wollte Heinemann-Grüder den ganz großen Coup landen und die Teenie-Band Tokio Hotel nach Jüterbog holen. „Das hat aber leider nicht geklappt“ , sagt er.