Die ältere Dame am Telefon war aufgebracht, als sie die Nummer von "Bei Anruf Reporter" wählte und ihren Aufreger beim Ticketkauf auf dem Cottbuser Bahnhof schilderte. "Ich wollte eine Fahrkarte von Cottbus nach Zittau lösen. Das geht aber nicht", sagte die Frau, die ihren Namen nicht nennen wollte. Die Servicemitarbeiterin der Bahn habe ihr zu verstehen gegeben, dass sie ihr ein Ticket bis Spremberg verkaufen würde. Und im Odeg 65, der zwischen Cottbus und Zittau verkehrt, könne sie dann den Fahrschein von Spremberg bis Zittau ohne zusätzliche Gebühren nachlösen.

"So habe ich es gemacht. Und es hat auch geklappt. Aber, wo leben wir denn?", fragte die Anruferin am Ende des Gesprächs. Die Antwort könnte lauten: in der Fahrschein-Kleinstaaterei. Und zwar schon seit Jahren. Denn die Odeg verkehrt mit dem OE 65 in zwei Verkehrsverbünden, dem Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB - bis Spremberg) und dem Zweckverband Oberlausitz-Niederschlesien (Zvon - ab Spremberg ins Sächsische). Und die können sich auf eine einheitliche Tarifstruktur nicht einigen. "Das ist in den grenzüberschreitenden Regionen keine Seltenheit", sagt Dieter Doege, der Landeschef des Fahrgastverbandes pro Bahn. Für den Bahnreisenden sei das allerdings ein inakzeptabler Zustand.

Das räumt auch VBB-Pressesprecherin Elke Krokowski ein. Aber eine Vereinheitlichung der Tarife in den Verbünden ist bisher noch nicht gelungen. Und bis es dazu kommt, wird noch viel Zeit vergehen. Denn erst mit der Neuausschreibung der Strecken ab Dezember 2018 ist vorgesehen, ein Übergangsticket einzuführen.

Bis dahin werden die Bahnreisenden auf der OE 65-Linie und anderswo im Verbünde überschreitenden Bahnverkehr mit dieser Situation umgehen müssen. Um auf die Anruferin bei der RUNDSCHAU zurückzukommen: Am Automaten gibt es nach DB-Tarif schon einen durchgehenden Fahrschein für die Strecke von Cottbus nach Zittau. Der kostet 25,70 Euro. Mit der Auskunft am Ticketservice des Bahnhofes Cottbus und dem Hinweis, zwei Fahrscheine in den jeweiligenVerkehrsverbünden zu lösen, hat die ältere Dame 12,50 Euro gespart. Denn der Fahrschein nach Spremberg kostet 3,50 Euro und die Verlängerung von Spremberg bis Zittau 9,70 Euro. Pro-Bahn-Chef Doege: "Dieses Missverhältnis ist nicht nachvollziehbar und gehört abgeschafft."