Kunden können in sächsischen Bäckereien beim Kauf eines Stollens oder anderer Waren ihr Wechselgeld in eine Sammeldose einwerfen. Die Aktion heißt „Stollenpfennig“ und ist typisch sächsisch. Als Ableger der bundesweiten Sammlung des evangelischen Hilfswerkes Brot für die Welt wird sie nur im Freistaat praktiziert – in diesem Jahr zum 25. Mal.

Organisiert wird der „Stollenpfennig“ von der Diakonie Sachsen und dem Landesinnungsverband Saxonia des Bäckerhandwerks. Knapp 560 Bäckereien beteiligen sich daran, rund 1.400 Spendendosen werden in den Regionen verteilt. Im Schnitt kämen pro Jahr über das Kleingeld rund 30.000 Euro zusammen, sagt Marius Zippe, Ökumenereferent bei der Diakonie Sachsen. Seit Beginn des „Stollenpfennigs“ seien fast 600.000 Euro gesammelt worden.

Eröffnet wird die besondere Adventsaktion am Donnerstag in der Rolle-Mühle im erzgebirgischen Waldkirchen, einem Ortsteil von Grünhainichen. Das Unternehmen stellt das Mehl für einen Teil der berühmten sächsischen Stollen her. Mühleninhaber Thomas Rolle lobt den „Stollenpfennig“ als eine „tolle Geschichte“. Vor allem schätzt er, dass sich die Sammlung über so viele Jahre etabliert hat.

In der Tat sei die Teilnehmerliste der sächsischen Bäcker relativ konstant, sagt Zippe. Es komme aber auch die eine oder andere Bäckerei noch hinzu. Geblieben ist der Name „Pfennig“, obwohl es längst Cent gibt. Bewusst sei er nach der Währungsumstellung der beibehalten worden, sagt Zippe. Nun habe er Wiedererkennungswert.

Auch nach 25 Jahren werde das Kleingeld „mit viel Handarbeit“ ausgezählt, erzählt Zippe weiter. Zwar gebe es inzwischen eine Geldzählmaschine, aber zunächst müssten die Dosen von Hand geleert und die Maschine befüllt werden. Vier bis fünf Ehrenamtliche seien damit jeweils über mehrere Tage beschäftigt.

Einer, der seit 25 Jahren mitsammelt, ist Roland Ermer. In drei seiner Läden stellt der Bäckermeister aus Bernsdorf in der Oberlausitz die Sammeldosen auf. Viele seiner Kunden würden das schon kennen und auch gar nicht mehr fragen, wofür die Aktion steht. Der „Stollenpfennig“ sei zu einer Marke geworden.

Die meisten Stollenkäufer würden die Sammelaktion positiv aufnehmen, sagt Ermer. Das kirchliche Hilfswerk Brot für die Welt - das sei „eine Institution, der man vertraut“. Außerdem - da ist sich der Bäcker sicher - „Brot und Evangelium passen gut zusammen“. Insofern sei dies eine gute Aktion für die sächsische Bäckerinnung, deren Vorstandvorsitzende und Landesobermeister derzeit ist.

Das Teilen sei ein christliches Ideal, dass es zu praktizieren gelte. Jeder könne doch „ein kleines bisschen abgeben“, sagt Ermer. Falls die Dosen am Ende der Adventszeit noch nicht ganz voll sind, füllen sie viele Bäcker auf, verrät er.

Der Erlös aus dem „Stollenpfennig“ kommt dem Hilfswerk Brot für die Welt zugute, das 2018 sein 60-jähriges Bestehen feiert. Es fördert in mehr als 90 Ländern Entwicklungsprojekte. Die diesjährige Sammlung steht unter dem Titel „Hunger nach Gerechtigkeit“. Sie wird offiziell am Sonntag (2. Dezember) in Stuttgart eröffnet.

Evangelische Landes- und Freikirchen hatten am 12. Dezember 1959 in der Berliner Deutschlandhalle zu Spenden für die weltweit Hungernden aufgerufen. Innerhalb weniger Wochen kamen damals 19 Millionen Mark aus Ost- und Westdeutschland zusammen. Der große Zuspruch führte zur Gründung des Hilfswerkes.

Die erste Aktion „Stollenpfennig“ erbrachte 1994 auf Anhieb mehr als 32 000 D-Mark. Mitbegründer Pfarrer Friedbert Stöcker und seine Diakoniemitarbeiter hatten überlegt, wie sie der Adventssammlung Brot für die Welt eine sächsische Note abgewinnen könnten. Für die Region wollten sie etwas Unverwechselbares. Schließlich kamen sie auf den Stollen, jenem puderzuckerbestäubten Weihnachtsgebäck mit viel Butter, Mandeln, Rosinen und Zitronat. Die Verbindung von regionaler Spezialität und gutem Zweck wurde schließlich unter dem Slogan „Wir haben Stollen, andere nicht einmal Brot“ etabliert.