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Kleinere Kreise für Brandenburg?

Die Kreisreform und ihre Konsequenzen stoßen in den Kommunen weiter auf Kritik.
Die Kreisreform und ihre Konsequenzen stoßen in den Kommunen weiter auf Kritik. FOTO: dpa
Cottbus. Potsdamer Wissenschaftler legen bei ihrer Kritik an Brandenburgs Kreisreform nach. Es brauche keine Mega-Kreise, sondern kleinere, digital vernetzte Einheiten, sagt Prof. Norbert Gronau im RUNDSCHAU-Interview. Christian Taubert

Forscher des Instituts für Wirtschaftsinformatik und Digitale Gesellschaft der Uni Potsdam sind überzeugt, dass die geplante Kreisreform in Brandenburg ohne Mega-Kreise auskommt. "Mit unseren Forschungen kommen wir zu der Ansicht", betont Institutssprecher Prof. Norbert Gronau im RUNDSCHAU-Interview, "dass die Kreise sogar kleiner sein könnten, als das heute der Fall ist."

Die Wissenschaftler begründen dies damit, dass gut vernetzte kleinere Kreise die Bürgerbeteiligung an politischen Entscheidungen sichere und die Verwaltungen durch Digitalisierung effizienter würden. Mega-Kreise hingegen würden zum Verlust der lokalen Identität und weiterer Politikverdrossenheit führen.

Nachdem die Wissenschaftler am Montag in einem offenen Brief die Landesregierung kritisierten, die Digitalisierung und ihre Möglichkeiten in den öffentlichen Verwaltungen zu ignorieren, fügte der Sprecher im Interview hinzu: "Hier passiert gerade eine 1960er-Reform, eine Reform von gestern."

Prof. Norbert Gronau macht zudem deutlich, dass eine digitale Kreisreform zunächst teurer wäre als der vorgesehene Struk tur umbau. "Die Digitalisierung macht das Land allerdings zukunftsfähig und senkt die Verwaltungskosten dauerhaft, während die einmalige Entschuldung in fünf Jahren durch neue Schulden vergessen sein wird", erläutert der Institutssprecher. Auch darüber soll Ende Januar auf einer Konferenz in Potsdam beraten werden, zu der sich auch die Staatskanzlei angekündigt hat.