Nach dem Rauchverbot in Kneipen und Gaststätten rückt nämlich jetzt auch ein Verbot der Bierwerbung und damit des Sportsponsorings durch Brauereien näher. Bis zum Herbst will die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing (SPD), entscheiden, ob und in welcher Form sie sich für ein solches Alkohol-Werbeverbot stark machen wird.

Empfehlung des Suchtrates
Im Juni hatte der Drogen- und Suchtrat, der Bätzing berät, bereits eine entsprechende Empfehlung beschlossen. Werbung und Sponsoring müssten eingeschränkt werden, hieß es darin, weil sie Jugendliche „in nicht unerheblichem Maße“ beeinflusse. Die Experten befürworteten deshalb „eine Regulierung der Alkoholwerbung durch Werbeverbote“ . Sie sollten sich auf Sponsoring, Werbung in Fußballstadien und anderen Sportstätten sowie in Verbindung mit Sportsendungen im Fernsehen beziehen.
Bei den Verbänden klingeln inzwischen die Alarmglocken. Immerhin beträgt der Werbeetat der Alkoholindustrie pro Jahr mehr als 500 Millionen Euro, ein großer Teil davon fließt den Vereinen zu, die wiederum so ihre Kassen aufbessern. „Die Einbußen für die Verbände und Vereine wären erheblich“ , so FDP-Mann Parr gegenüber der RUNDSCHAU. Schließlich handele es sich auch um Geld, das in die Jugendarbeit gesteckt werde. „Grenzen ziehen wir nicht durch Verbote, sondern durch Aufklärung“ , und genau dazu könnten doch die Vereine einen Beitrag leisten. Die FDP will ein Werbeverbot deshalb nicht akzeptieren.
Laut dem aktuellen Drogen- und Suchtbericht ist allerdings der Alkoholmissbrauch bei Kindern und Jugendlichen stark angestiegen. Speziell das „Komasaufen“ hat bei jungen Menschen drastisch zugenommen. Laut Suchtrat haben internationale Studien ergeben, dass Werbeverbote helfen, „Rauschtrinken“ und die Zahl der Unfalltoten in Folge von Alkoholeinfluss „spürbar zu senken“ . Neben Werbeverboten plädiert das Gremium auch für Warnhinweise auf Alkoholika und eine höhere Alkoholsteuer, um den Nachwuchs vom Griff zur Flasche abzuhalten. Als Beispiel gilt die Verteuerung der bei Jugendlichen einst beliebten Alkopops, deren Konsum seit dem Preisaufschlag stark zurückgegangen ist. Im Herbst will Bätzing nun zu einer großen Anhörung einladen, heißt es in einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der FDP. Voraussichtlich schon in der Haushaltswoche im September, was jedoch die Mitglieder des Gesundheitsausschusses verärgert hat. Denn dann bleibe kaum Zeit, das Thema ernsthaft und ausgiebig zu diskutieren, wird kritisiert.

Unterschiedliche Auffassungen
Bätzing drückt aber aufs Tempo: Anschließend plant die Drogenbeauftragte, mit den zuständigen Ressorts innerhalb der Bundesregierung über die konkreten Maßnahmen zu beraten. Dem Vernehmen nach soll es dann alsbald auch einen Kabinettsbeschluss geben.
Wie zu hören ist, gibt es innerhalb der Koalition allerdings wohl unterschiedliche Auffassungen darüber, ob ein Werbeverzicht durch Gesetze oder durch freiwillige Selbstbeschränkungen der Wirtschaft umgesetzt werden soll. Jede Menge Diskussionsbedarf ist also da - auch seitens der Sportverbände.