Ob in ihrer Schule je wieder unterrichtet wird, ist noch völlig ungewiss. Aber zumindest in sechs anderen Gebäuden haben am Montag etwa 150 bis 200 Schüler der Albertville-Realschule so etwas wie Unterricht versucht. Knapp eine Woche nach dem Amoklauf, bei dem 16 Menschen getötet wurden, holen Busse die Kinder und Jugendlichen am Morgen dort ab, wo normalerweise ihre Klassenzimmer sind. Zu den weißen Gebäuden des Schulzentrums Winnenden kommen sie mittags umso lieber zurück - etliche stürmen ihren Müttern und Vätern in die Arme. Ins einige Kilometer entfernte Schwaikheim ging es für einen Teil der Schüler. Fünf Sechstklässlerinnen machen dort morgens aber erst einmal einen Spaziergang neben der Gemeindehalle. "Wir durften ein bisschen raus, an die frische Luft." Sie wirken sehr nachdenklich und unsicher. "Viel Unterricht gibt es heute eh nicht, die Lehrer haben nur ein paar Mathe-Arbeitsblätter ausgeteilt", sagt ein Mädchen. "Aber als wir dann nochmals über Mittwoch sprechen sollten", sagt eine andere Schülerin, "das ging noch nicht, da musste ich erst einmal raus." Vor dem Bengel-Haus in der Winnender Innenstadt, einem der ersatzweisen Klassenzimmer, stehen auch Grüppchen ins Gespräch vertieft zusammen. "Wer sind Sie, können Sie bitte gehen", sagt eine Betreuerin. Sie versucht, jeden Reporter fernzuhalten. An den Bussen, mit denen die Realschüler am Mittag wieder zurückkommen, ist "Sonderfahrt" zu lesen. Hier ist der normale Schulalltag noch weit entfernt. Aber zumindest aus dem benachbarten Lessing-Gymnasium strömen zeitgleich wieder Kinder und Jugendliche mit schwer bepackten Rucksäcken und Ranzen. Und auch das Bild vor der leeren Albertville-Schule nähert sich in ganz kleinen Schritten der "Normalität" an. Zwar säumt immer noch ein Blumen- und Kerzen-Meer die Szenerie. Doch dort, wo vor fünf Tagen Tim K. seinen Amoklauf begann, ist am Montag kein Fernsehübertragungswagen mehr zu sehen. Wenig Reporterstimmen, dafür Vogelgezwitscher und der Lärm einer Baumaschine sind zu hören. Einige Bauarbeiter sind neben dem Gebäude wieder an die Arbeit gegangen und werkeln an einem Gehweg. "Wir haben hier letzten Mittwoch auch schon gearbeitet", sagt August Küstner, einer der Arbeiter. "Wir haben die Schüsse gehört." Zum Glück sei Tim K. nicht an der Straße entlang gelaufen, "da wären wir auch im Weg gewesen", sagt Küstner. Am Montag begannen sie wieder mit den Arbeiten. "Wir sollen bis Mittwoch fertig sein, weil am Samstag Trauerfeier ist."Zur Trauerfeier für die Opfer des Amoklaufes werden am Samstag um 10.45 Uhr in Baden-Württemberg alle Kirchenglocken läuten. Im Anschluss findet ein ökumenischer Gottesdienst statt. Dem folgt ein Staatsakt mit Bundespräsident Horst Köhler und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).Die CDU will die Möglichkeit schärferer Waffenkontrollen prüfen lassen. Zwar habe Deutschland eines der strengsten Waffengesetze, sagte Merkel am Montag in Berlin. Dieses müsste aber "nachvollziehbar umgesetzt" werden, wobei es auch um bessere Kontrollen gehe. www.lr-online.de/winnenden