Wird in Deutschland ein Fahrzeug geklaut, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es irgendwann durch Brandenburg oder Sachsen rollt. Denn nach wie vor gehen die Hauptvertriebswege der Auto-Klau-Mafia Richtung Osten, meist über Polen hinaus ins Baltikum, nach Russland und Zentralasien. Was also in der Lausitz an der Grenze von der Polizei aus dem Verkehr gezogen wird, gibt ein gutes Bild dessen ab, was im ganzen Land an Fahrzeugen geklaut wird.

Transporter-Klau liegt im Trend

Und dabei sind es in jüngster Zeit häufiger Transporter, die bei den Polizeikontrollen ins Netz gehen. Aktuelles Beispiel vom Donnerstag: Von der Berliner Polizei wurde am frühen Morgen gemeldet, dass ein gestohlener VW-Transporter vom Typ T5 California auf der A13 im Bereich der Direktion Süd unterwegs sei. Cottbuser Polizisten und die Bundespolizei machten sich auf die Suche und wurden fündig: Das Fahrzeug wurde zwischen Bärenklau und der B 320 gestoppt, der 23-jährige Fahrer aus Polen vorläufig festgenommen.

Zollbeamte konnten in der vergangenen Woche nachts gegen 2.20 Uhr in Forst einen Mercedes-Kleintransporter stoppen. Sofort sprang der unbekannte Fahrer aus dem Fahrzeug, an dem gefälschte Kennzeichen angebracht waren, und flüchtete zu Fuß. Schnell ergaben erste Ermittlungen, dass der Viano zuvor in Berlin gestohlen worden war.

Eine Woche zuvor: Im Bereich der Ausfahrt Königs Wusterhausen versuchten Polizisten auf der A10 gegen 0.45 Uhr, einen Mercedes-Transporter für eine Verkehrskontrolle anzuhalten. Der Fahrer des Sprinters gab jedoch Gas, um sich der Kontrolle zu entziehen. Das Fahrzeug wurde im Bereich des Schönefelder Kreuzes gestoppt, der Fahrer flüchtete zu Fuß über die Gegenfahrbahn in einen angrenzenden Wald.Der Sprinter war einer Datenabfrage zufolge bei einer Autovermietungsfirma in Berlin gestohlen worden und wurde zur Eigentumssicherung sichergestellt.

Gleicher Tag, wenige Stunden später: Kurz nach 6 Uhr ging bei der Polizei eine Meldung des Einsatzlagezentrums Berlin ein, wonach ein gestohlener VW-Transporter in Richtung Südbrandenburg unterwegs war. Das Fahrzeug vom Typ T5 war einer Autovermietung gestohlen worden, die in den frühen Morgenstunden Anzeige erstattet hatte. Nach Auslösung der Fahndung wurde der VW in Birkenhainchen im Spreewald in Zusammenarbeit mit der Bundespolizei gestoppt. Der 30-jährige Fahrer aus Polen wurde festgenommen.

Auch in der Lausitz werden entsprechende Fahrzeuge geklaut. So wurde in der vergangenen Woche in Senftenberg ein Renault-Transporter gestohlen. Wenige Tage zuvor waren Diebe in Cottbus damit gescheitert, gleich fünf Transporter zu stehlen.

BKA: Vor allem Sprinter sind bei Dieben beliebt

Die Beobachtung aus der Grenzregion deckt sich mit Erkenntnissen des Bundeskriminalamtes (BKA). „Entgegen dem Trend der allgemein rückläufigen Diebstahlszahlen wurde bundesweit eine Zunahme der Entwendungen von Kleintransportern festgestellt“, berichtet das BKA im jüngst veröffentlichten „Lagebild Kfz-Kriminalität“. In solchen Lagebildern zeigten die Ermittler Trends auf und dokumentieren, wie sich gewisse Kriminalitätsphänomene entwickeln.

Beim Autoklau ist die Entwicklung eigentlich erfreulich. Deutschlandweit wurden im vergangenen Jahr 13 Prozent weniger Autos gestohlen. bei den Lkw ist sogar ein Rückgang um 23 Prozent feststellbar. Auch in Brandenburg sind die Zahlen rückläufig.

Der Trend hin zum Transporterklau ist aber auch in den Zahlen des BKA erkennbar. „Allein die Fahrzeugdiebstähle von Mercedes Sprintern des Typs 906 nahmen im Jahr 2018 um 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu“, berichtet das BKA. Weitere beliebte Transportermarken bei den Diebesbanden: Fiat Ducato, Ford Transit, Citroen Jumper.

Oft werden Transporter auch genutzt, um weiteres Diebesgut ins polnische Ausland zu bringen. So stellt die Polizei in Brandenburg und Sachsen immer wieder Transporter mit geklauten Fahrrädern, Maschinen oder Autoteilen sicher.

Polizei reagiert mit Kontrollen

Trotz rückläufiger Fallzahlen ist deshalb die Arbeit der Lausitzer Polizei – im Verbund mit Zoll und Bundespolizei – in der Grenzregion wichtig. Mit verdeckten und offenen Fahndungen wird den meist für kleines Geld angeworbenen Autoschiebern das Leben schwer gemacht. Großkontrollen, wie die jüngst live im Fernsehen übertragenen Aktion bei Görlitz, sorgen für zusätzliche Abschreckung. Gemeinsame Ermittlungen mit polnischen  Kräften helfen, den Hintermännern auf die Schliche zu kommen.