Monatelang mussten sie im Wahlkampfteam von US-Präsident Barack Obama auf diesen Moment warten - als er kam, verschenkten sie keine Zeit. Kaum hatte der republikanische Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur, Rick Santorum, mit seinem Rückzug den Weg für das lang erwartete Duell Obama gegen Mitt Romney frei gemacht, erhielt der Herausforderer einen Schuss vor den Bug.

"Er sieht sich selbst als idealer Kandidat", ätzte die Kampagne des Präsidenten in einer Massen-E-Mail über Romney. Dabei grenze dessen Politik die Frauen, Mittelschicht-Familien und Immi-granten aus. Obamas Gewährsleute machten von Anfang an keinen Hehl daraus - wenn auch hinter vorgehaltener Hand -, dass sie Romneys Kontrahenten im Vorwahlkampf nicht ernst nahmen. Sie konzentrierten sich für die Wahl im November ganz auf ihre Strategie gegen den Multi-Millionär. Newt Gingrich, der Ex-Parlamentspräsident, spielte in ihren Plänen ebenso wenig eine Rolle wie der radikalliberale Abgeordnete Ron Paul. Beide sind weiter im Rennen, haben aber fast keine Chance auf die Nominierung.

Doch weil Romney seinen Widersacher Santorum nicht wirklich abschütteln konnte, musste Obama die Füße stillhalten. Das verlangte die Etikette. Das alles änderte sich am Dienstag, als Santorum entmutigt die Worte "Game over" in den Mund nahm. Damit entfesselte er nicht nur den Hauptwahlkampf, sondern auch Obamas Rhetorik.

"Je mehr die Amerikaner von Mitt Romney sehen, desto weniger mögen sie ihn und desto weniger vertrauen sie ihm", ließ er seinen Wahlkampfmanager Jim Messina schreiben. "Aber weder er noch seine Verbündeten mit Spezialinteressen werden es schaffen, die Präsidentschaft mit ihren negativen Angriffen zu kaufen", ergänzte er und verwies auf Romneys Erfolgsrezept, Gegner unter millionenschwerer Negativwerbung zu begraben. Das war nur ein Vorgeschmack, was den Amerikanern in den kommenden knapp sieben Monaten blühen wird. Beide Kandidaten scheinen bereit, mit härtesten Bandagen zu kämpfen. Obama spricht vollmundig von den stärksten politischen Gegensätzen seit mindestens fünf Jahrzehnten.

"Ich kann mich nicht an eine Zeit erinnern, in der eine Wahl zwischen zwei konkurrierenden Visionen so unmissverständlich klar war", sagte er am Dienstag bei einer Kundgebung in Florida.

Sein Leitmotiv: Soziale Gerechtigkeit statt unfairer Begünstigung von Reichen. Dass er ausgerechnet mit dieser Kernbotschaft gegen einen rund 250 Millionen Dollar schweren Geschäftsmann mit Wall-Street-Beziehungen antritt, dürfte kein Zufall sein. Wenn Obama lauthals fordert, einen Mindeststeuersatz von 30 Prozent für Einkommensmillionäre einzuführen, richtet sich das automatisch persönlich gegen Romney, der 2010 lediglich 14 Prozent auf 21 Millionen Dollar Einnahmen zahlte. Viel weniger als eine Mittelschicht-Familie, wie Obama betont. "Jeder muss seinen fairen Anteil leisten", fordert er.

Die Republikaner schäumen vor Wut, nennen die Strategie des Weißen Hauses zynisch. "Er will die Wählerschaft mit einem Klassenkampf spalten, um uns von seiner gescheiterten Politik abzulenken", schrieb der Parteichef Reince Priebus am Mittwoch in einem Editorial. Die Reichensteuer des Präsidenten zeige nur "wie verzweifelt er ist, die Wiederwahl zu gewinnen". Die Wähler seien dafür aber zu intelligent.

Die alles entscheidende Frage ist nun, wie Romney sich auf der ganz großen politischen Bühne schlagen wird. Das Wochenmagazin "Time" analysierte jüngst, er habe in dem seit Januar bitterböse geführten Vorwahlkampf so viele Federn gelassen, dass er für Obamas Wahlkampfmaschine ein leichtes Opfer werden könnte.