Für Michael Schierack war es ein Triumphzug: 178 von 203 Delegierten des Landesparteitags der CDU, der am Samstag in Potsdam stattfand, wählten den Cottbuser Mediziner erneut zum Landesvorsitzenden seiner Partei. Und die Generalsekretärin Anja Heinrich, Landtagsabgeordnete aus Elsterwerda, wurde von 173 Delegierten im Amt bestätigt. Damit erhielt Schierack 87,7 Prozent der abgegebenen Stimmen, auf Anja Heinrich entfielen 84 Prozent. Die CDU, die die abgegebenen Enthaltungen im Unterschied zu allen übrigen Parteien nicht als abgegebene Stimmen rechnet, veröffentlichte sogar noch höhere Ergebnisse: 89 Prozent für Schierack und 85 Prozent für Heinrich. Gegenüber dem letzten Mal ist das ein Quantensprung: Als beide Spitzenpolitiker im Herbst 2012 antraten, erhielt Schierack 68,5 Prozent der abgegebenen Stimmen, Anja Heinrich kam auf 65 Prozent. Und mit großen Mehrheiten wiedergewählt wurden auch die stellvertretenden Parteivorsitzenden Ingo Senftleben, André Schaller, Barbara Richstein und Jan Redmann.

Damit hat sich der Kurs des Lausitzer Spitzenduos zur Befriedung der notorisch zerstrittenen Brandenburger CDU am Ende ausgezahlt: Der Parteitag wirkte harmonisch - selbst als der Vorsitzende der Stadtfraktion aus Frankfurt (Oder), Peter Wolff, am Saalmikrofon lauthals darüber klagte, dass der Kreisverband Prignitz die aus Frankfurt stammende, junge Anna Angerstein gegen den Willen des Frankfurter Stadtverbands als Kandidatin für den Landesvorstand unterstützte, sorgte er damit nur für Extra-Stimmen für die Angegriffene. Angerstein wurde mit einem glänzenden Ergebnis in den Landesvorstand gewählt, Wolff dagegen verfehlte den Einzug deutlich. Wer versucht, Konkurrenten abzuschießen, hat in der Brandenburger CDU derzeit keine Chance.

"Jetzt wollen wir stärkste politische Kraft im Land werden", sagte Schierack nach seiner Wahl gegenüber der RUNDSCHAU. "Wir wollen Rot-Rot ablösen und spielen bei den Landtagswahlen 2014 auf Sieg." In seiner Grundsatzrede hatte Schierack zuvor auf Werte wie Glaubwürdigkeit, Verantwortung und Seriosität gesetzt. "Wenn das Programm der CDU überzeugt, dann schaltet die Ampel von rot auf schwarz, auch in Brandenburg." Dies hätten die Bundestagswahlen gezeigt. "Brandenburg ist nicht mehr gottgegeben rot." Die CDU vertrete die emanzipierte bürgerliche Mitte. Bildung und Familie, Sicherheit, die soziale Marktwirtschaft sowie der soziale und regionale Zusammenhalt im Land würden künftig Schwerpunkte im Programm der Brandenburger CDU.

Doch auch die Rede des Landesvorsitzenden, der im November zum Spitzenkandidaten seiner Partei bestellt werden soll, wirkte gemäßigt. Zwar bezeichnete Schierack die Polizeireform von Rot-Rot als "verfehlt" und warnte vor einem Ausverkauf von Landwirtschaftsflächen an internationale Konzerne. Doch Angriffe auf die SPD, deren Koalitionspartner man ab 2014 gerne sein würde, blieben aus. Und auch Generalsekretärin Anja Heinrich beschäftigte sich in ihrer Rede fast ausschließlich mit dem inneren Zustand der Partei - abgesehen einmal vom Umgang mit der DDR-Vergangenheit. "Am 23. Jahrestag der Wiedervereinigung sitzen alte SED-Kader und Stasifunktionäre in Brandenburg im Landtag", so Heinrich. Brandenburg bleibe bei der Aufarbeitung der DDR-Geschichte "ein Land der Experimente." Auch die Deiche im Land seien nur Stückwerk: "Zuverlässig arbeitet bei uns allein der Biber."

Doch für das Kämpferische musste am Ende ein anderer sorgen: Der Ehrengast der Veranstaltung, der Generalsekretär der Bundes-CDU, Hermann Gröhe, war von allen Rednern der deutlichste: "Diese Landesregierung kann ihr Handwerk nicht", schimpfte Gröhe. Rot-Rot setze in unverantwortlicher Weise die Zukunft Brandenburgs aufs Spiel. "Dieses Land hat eine bessere Landesregierung verdient."