Von Benjamin Lassiwe

Ihre Kandidatur kam überraschend. So überraschend, dass die Brandenburger SPD erst am Montag nach der Wahl im Parteivorstand beschließen kann, dass der Landesverband der Sozialdemokraten die Potsdamer Landtagsabgeordnete und frühere Generalsekretärin Klara Geywitz offiziell bei ihrer Bewerbung um das Amt der Bundesvorsitzenden unterstützt.

„Wir werden am 2. September im Parteivorstand darüber beraten“, sagte Generalsekretär Erik Stohn am Mittwoch der Lausitzer Rundschau „Ich sehe aber keine Anzeichen dafür, dass es dabei Probleme geben könnte.“

Zumal es aus Brandenburg auch schon jede Menge Unterstützung gibt. Dietmar Woidke, der Ministerpräsident, legte sich bekanntlich schon an dem Tag fest, an dem Geywitz ihre Kandidatur bekannt gab und würdigte Geywitz als „gute Wahl für die ostdeutsche Sozialdemokratie“.

Ähnlich verfuhren auch eine ganze Reihe Unterbezirke der SPD:
Zum Beispiel Cottbus und Spree-Neiße. Das Spitzenduo verkörpere „auf einzigartige Weise die Symbiose aus langjähriger bundes- und landespolitischer Erfahrung, west- und ostdeutscher Lebenswirklichkeit sowie zwei unterschiedlichen Generationen“, sagte etwa der Vorsitzende der SPD Spree-Neiße, Ulrich Freese.

Insgesamt müssen fünf Unterbezirke oder ein Bezirks- oder Landesverband die Bewerber für das Spitzenamt der SPD nominieren. Neben Cottbus und Spree-Neiße haben auch schon der SPD-Kreisverband Ostholstein und der Unter­bezirk Barnim Olaf Scholz und Klara Geywitz nominiert.

Der Unterbezirk Frankfurt (Oder) dagegen sprach sich für die Kandidatur der früheren Viadrina-Präsidentin Gesine Schwan aus. „Sie hat ihre Kandidatur einfach früher bekannt gegeben“, sagte Stohn.

Freilich hat das Bewerberduo aus Klara Geywitz und Olaf Scholz in Brandenburg auch Gegner. Als Generalsekretärin hatte sich Geywitz nicht überall im Land beliebt gemacht, mancher etwas weiter weg von Potsdam gelegene Unterbezirk fühlte sich zuweilen etwas vernachlässigt.

Und ihre Netzwerke in der Partei litten darunter, dass sie manche Chancen nicht ergriff – und zum Beispiel nach dem Scheitern der Kreisgebietsreform von ihrem Posten nur zurücktrat, ohne den aus damaliger Perspektive eigentlich konsequenten Angriff auf den SPD-Landesvorsitzenden Dietmar Woidke zu wagen.

Und blickt man sich in den sozialen Netzwerken, etwa auf Facebook, um, sieht man auch eine ganze Reihe Mitglieder von der Parteibasis, die die beiden in Potsdam lebenden Kandidaten eher als Garanten für ein „Weiter so“, also eine eher zurückhaltende Erneuerung der Bundespartei, interpretieren.

Genau auf diese einfachen Parteimitglieder aber wird es am Ende ankommen: Denn die Wahl des neuen Spitzenduos der Bundes-SPD wird in einer Urwahl stattfinden.

Jedes SPD-Mitglied kann in einer Online-Abstimmung oder per Briefwahl darüber entscheiden, wer die Partei am Ende führen soll.

Mobile Wahlkabinen aus Pappe, wie sie die CDU bei ihrem Bundesparteitag in Stuttgart verwandte, wird es bei den Sozialdemokraten deswegen nicht geben.