Potsdam befürchtet, dass das Vorhaben das Welterbe der preußischen Schlösser und Gärten beeinträchtigt, die Umweltschützer sehen Fauna und Flora in Gefahr. Die Erweiterung des Kanals, der die Havel an der Stadtgrenze von Berlin und Potsdam mit der Havel östlich von Ketzin (Havelland) verbindet, steht im Zusammenhang mit dem Havelausbau. Ziel ist es, die Verkehrswege zwischen Ost und West für größere Frachtschiffe auszubauen. "Da der Kanalausbau die Vorstufe zum Havelausbau ist, muss schon dieses unsinnige Projekt beendet werden", sagte der Landesvorsitzende des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu), Tom Kirschey, in Potsdam. Das Vorhaben ergebe volkswirtschaftlich keinen Sinn und hätte negative Auswirkungen unter anderem auf viele Tierarten, deren Ökosystem gestört würde.

Weitere Unterstützer der KlageDer Nabu unterstützt die Klage des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND); mit im Boot sind laut Kirschey auch das Aktionsbündnis gegen den Havelausbau und die Grüne Liga. Zu den Kritikern des Projekts gehört zudem die Linksfraktion im Potsdamer Landtag. "Die Kanalausbaupläne basieren auf überholten Prognosen, das Projekt (. . .) würde Steuergelder verschleudern und wertvolle Natur- und Landschaftsräume nachhaltig zerstören", erklärte deren verkehrspolitische Sprecherin Anita Tack.

Wie die Stadt Potsdam hat derweil auch die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg die Sorge, dass sich ein Kanal-Ausbau negativ auf die an der Havel gelegenen ufernahen Gebäude des Welterbes auswirken könnte. So sei zu befürchten, dass die Holzpfähle, auf denen die Sacrower Heilandskirche steht, beschädigt würden, sagte Sprecher Ulrich Henze. "Sollte es zum Ausbau kommen, werden wir alle nötigen denkmalpflegerischen Maßnahmen einfordern.

" Die Stiftung selbst konnte keine Klage einreichen, da direkt am Sacrow-Paretzer Kanal keine ihrer Welterbestätten lägen.

Ausbau verteidigtBrandenburgs Infrastrukturminister Reinhold Dellmann (SPD) hatte dagegen das Projekt am Donnerstag im Landtag verteidigt. Der Ausbau des Sacrow-Paretzer Kanals auf einer Länge von 13 Kilometern diene der Verlagerung des Verkehrs von der Straße auf das Wasser. Dellmann betonte aber auch, Voraussetzung sei, dass es keine Beeinträchtigung für die Welterbestätten gebe. Anfang August war bekanntgeworden, dass die in Magdeburg ansässige Wasser- und Schifffahrtsdirektion Ost den umstrittenen Kanal-Ausbau genehmigt hat. Zum Schutz der Natur und der Gewässer wurden umfangreiche Auflagen angeordnet.