Deshalb entwickelte er nun zusammen mit seinem Team eine ganze Kittifix-Serie.
Es ist einer jener gespeicherten Gerüche, die sofort Erinnerungen wach rufen. Öffnet man heute das Kittifix-Alleskleber-Fläschchen, denkt man an den Werkunterricht in der Schule, an Bastelstunden daheim oder an manch schier ausweglos erscheinende Reparatur eines Haushaltsstückes, das gehütet und gepflegt werden musste, weil es dies nicht mehr zu kaufen gab. Mario Bernstein beobachtet das Geruchs-Phänomen auf Präsentationen und Messen. "Entdecken Kunden den weiß-roten Schriftzug mit Kittifix, öffnen sie gleich den Verschluss des Klebers und riechen kurz daran. So, als wenn man einen guten Rotwein prüft", meint er schmunzelnd. "Und immer kommt danach der Stoßseufzer: Jawoll, da ist wirklich unser Kittifix drin."
Eine gute Nase bewiesen auch die Kittifix-Retter um Geschäftsführerin Christine Windsch und Vertriebsleiter Mario Bernstein von der Möko Klebstoff GmbH. Denn nach zehn Wende-Wirren-Jahren mit und ohne Treuhand glaubte man zuvor kaum noch, die Leipziger Klebstofftradition kitten zu können, die immerhin bis zum Jahre 1916 zurück reicht. Seitdem stellt man in Mölkau Klebstoffe her. Zunächst vor allem für die Schuhindustrie.
Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte man den Allzweckkleber Kittifix, den man sich im August 1947 beim Patentamt in München unter der Nummer W 4597 patentieren ließ. In der berühmten weiß-roten 50-Gramm-Tube, die stark der einst ebenso bekannten rot-weiß-Zahnpasta glich, trat der Kleber seinen Siegeszug durch die DDR und die Sowjetunion an. Aus der ehemaligen mittelständischen Firma wurde ein großer volkseigener Betrieb mit über 1200 Beschäftigten. Pro Jahr füllte man bis zu zwei Millionen Tuben Kittifix ab. Im Zuge der Konsumgüteroffensive kamen neue Universal-Klebstoffe, wie beispielsweise Mökopur hinzu, der aber nie an die Popularität des Kittifix anknüpfen konnten.
Nach der Wende griffen Kunden lieber zu Westklebern. Von Kittifix und Co wollte niemand mehr etwas wissen. Im Jahre 2000 begannen neun Angestellte noch einmal ganz von vorn: Sie blätterten in den historischen Rezeptbüchern der Mölkauer Klebstoffschmiede und belebten die Marke Kittifix neu. "Mit altem Logo und zeitgemäßer Verpackung in Form von nachfüllbaren 20- und 80-Gramm-Plastflaschen mit einer Düse für punktgenaues Kleben", erklärt Mario Bernstein. "Außerdem entwickelten wir eine Klebstoffserie für den Hobbybastler, wie Textil- und Bastelkleber sowie Holzleim", zählt er auf.
Allein im letzten Jahr wurden rund 100 000 Flaschen verkauft. Tendenz steigend. Immer mehr Baumärkte und Schreibwarengroßhändler listen Kittifix. Und auch beim Industriekleber erobern die Kittifix-Tüftler neue Märkte. So bleiben inzwischen die Etiketten vom Jägermeister, Underberg, Wilthener Schnaps und Wernesgrüner Bier dank Klebstoff aus Leipzig haften.