Die verspätete Auslieferung der Züge durch den Hersteller Stadler, die viel zu enge Zugfolge und das häufige Warten auf den Fernverkehr im Raum Berlin - daran erinnerte der Odeg-Chef im Verkehrsausschuss des Parlaments. "All die Probleme der Odeg gehen zulasten der Fahrgäste", hält die Cottbuser SPD-Landtagsabgeordnete Kerstin Kircheis entgegen. Für die SPD-Politikerin ist "ein erfolgreicher RE 2 zur Teststrecke geworden". Odeg und Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) müssten endlich Konsequenzen ziehen.

Viele Kinderkrankheiten

Schuchmann hatte den Ausschussmitgliedern zuvor erläutert, dass das erste Kiss-Fahrzeug laut dem Kaufvertrag im Mai 2012 ausgeliefert werden sollte. "Und für jedes einzelne Fahrzeug hatten wir 5000 Kilometer Probebetrieb vorgesehen." Doch tatsächlich wurden die letzten Kiss-Triebwagen erst im Frühjahr ausgeliefert. Und die Odeg müsse nun im laufenden Betrieb die Kinderkrankheiten beseitigen.

Als Beispiel nannte er die Klimaanlagen. Weil sich deren Temperaturfühler in Metallhülsen befanden, hätten sie die Temperatur im Zug grundsätzlich zu hoch gemessen. Vielen Fahrgästen sei kalt geworden - eine klassische Fehlkonstruktion. Oder die Toiletten: Dort verklebte dickflüssige Seife die Sensoren, die den Wasserstand im Abwassertank für Handwaschbecken und WC messen sollten. Mit der Folge, dass Tanks als voll angezeigt und Toiletten gesperrt wurden, die eigentlich noch benutzbar gewesen wären. "Jetzt nehmen wir eine dünnere Seifenflüssigkeit", schilderte Schuchmann.

Mittlerweile habe es die Odeg geschafft, die Zahl der technischen Störungen pro Fahrzeug im Monat um 50 Prozent zu reduzieren. Sorge dagegen bereite nach wie vor der Fahrplan, "der nicht zu halten ist", räumt er ein. Größtes Problem sei die Zugfolge: Wenn ein Fernzug Verspätung hat, müsse der Regionalverkehr den Weg freimachen und werde dadurch ebenfalls verspätet. Beim Eurocity 248 "Wawel", der von Krakau nach Berlin verkehrt, entstehe dieses Problem fast jeden Tag.

Neuer Engpass in KW

Ein Problem sei auch, dass die Linie des RE 2 mit mehr als 390 Kilometern zu lang geworden sei. Als die Züge von Cottbus aus nur bis Rathenow verkehrten, sei die Pünktlichkeit größer gewesen. "Und wenn künftig noch die RB 22 bis Königs Wusterhausen verkehrt, um die Lausitz an den Flughafen anzubinden, werden die Probleme mit dem RE 2 noch größer werden", sagte Schuchmann voraus. "Dann entsteht an diesem Bahnhof ein neuer Engpass."

Den Geschäftsführer des VBB, Hans-Werner Franz, konnten diese Aussagen freilich nicht befriedigen. "Hier sind Mängel, die allein in der Verantwortung der Odeg liegen", so Franz. Der Fahrplan des RE 2 sei von der DB Netz geprüft und für fahrbar erklärt worden. "Und den Fahrplan gab es, bevor die Odeg ein Angebot für die Strecke abgegeben und gesagt hat: Ja, wir fahren das."

An die Adresse des VBB richtete Kerstin Kircheis ihre Forderung, den RE 2 - wie zuvor - nur bis Rathenow verkehren zu lassen. "Wenn die Züge dann pünktlicher werden, ist allen geholfen", sagt sie.

Kircheis kann sich, im Gegensatz zum VBB und anderen Parlamentskollegen, auch mit dem Vorschlag des Finsterwalder CDU-Abgeordneten Rainer Genilke anfreunden. Der regt an, zur Verbesserung der Pünktlichkeit einige Halte innerhalb der Hauptstadt zu streichen. Denn die Berliner würden den RE 2 als schnellere S-Bahn nutzen. "Irgendwo müssen die Brandenburger, die mit dem RE 2 nach Berlin fahren, ja auch aussteigen", versuchte Franz zu kontern.