Als die Odeg Mitte Februar erstmals mit einem neuen Kiss-Elektrotriebwagen von Cottbus über Berlin nach Wismar und zurück fuhr, galt dies als Test für einen künftigen Dauerbetrieb auf der RE 2-Strecke. "Test bestanden", konnte Odeg-Chef Arnulf Schuchmann jetzt nach der Auswertung der Prüffahrt konstatieren. Gegenüber der RUNDSCHAU betonte er, dass es machbar sei, in anderthalb Stunden im Berliner Stadtzentrum zu sein. Auch die Gesamtreisezeit könne eingehalten werden.

Zweimal längerer Halt

Um jedoch auch Pünktlichkeit zu gewährleisten, so Schuchmann, müsse mit dem Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) über "Anpassungen und Fahrplanänderungen verhandelt werden". So seien an den Haltepunkten Kolkwitz und Kunersdorf lediglich 30 Sekunden zum Aus- und Einsteigen vorgesehen. "Hier brauchen wir jeweils eine Minute", erläutert Schuchmann. Und es müsse sogar über noch mehr Flexibilität im Fahrplan beraten werden, um der Odeg den Freiraum zu schaffen, den seit dem 9. Dezember 2012 gestrichenen Haltepunkt Brand wieder kontinuierlich anfahren zu können.

Für Schuchmann steht außer Frage, dass der Bahnkunde Pünktlichkeit erwarte, was unmittelbar mit dem Anschluss an andere Züge zu tun habe. Wenn die Odeg insgesamt sieben Minuten länger mit dem RE 2 nach Berlin unterwegs sei, dafür aber pünktlich fahre, sei viel gewonnen. Das betreffe auch die Anschlüsse in Cottbus nach Görlitz, Forst oder Senftenberg.

Mit dem Winterfahrplan am 9. Dezember des Vorjahres hat die Ostdeutsche Eisenbahn den RE 2 von der Deutschen Bahn übernommen. Die Odeg gewann vor zwei Jahren die Ausschreibung der Strecke. Doch für die Bestellung, den Bau und die Zulassung neuer Züge hatte der Zeitraum nicht ausgereicht. Deshalb musste die Odeg auf der neu gebauten und für 160 Kilometer pro Stunde ausgelegten RE-2-Linie mit geliehenen Zügen der DB Regio auskommen. Von den hochmodernen Kiss-Elektrotriebwagen des Berliner Herstellers Stadler sind bis heute erst vier der bestellten 16 Züge ausgeliefert.

Zu kurze Ausschreibungsfristen

Arnulf Schuchmann hofft, am 10. März ab Cottbus teilweise mit dem Kiss neu zu starten. Im Juni könnte es aus seiner Sicht dann einen kleinen Fahrplanwechsel geben, wo auch die Fahrpläne nachjustiert wären. Für die Strecke müssten schon im März zumindest zwei weitere Doppelstockzüge bereitstehen. Ein Signal des Herstellers und des Eisenbahnbundesamtes als Zulassungsbehörde hat die Odeg nicht. Wie lange es noch dauert, bis die Odeg mit den erforderlichen neuen Kiss-Zügen komplett auf Leihwagen der Bahn verzichten kann, steht auch für den Fahrgastverband pro Bahn in den Sternen.

Brandenburger Landeschef Dieter Doege erneuerte gegenüber der RUNDSCHAU seine Kritik, dass die Ausschreibungsfrist viel zu kurz bemessen sei. "Hierin liegt das Grundübel", erklärt Doege. Er fühlt sich jetzt sogar von den Herstellern bestätigt. Denn der Deutsche Bahnindustrieverband verweist darauf, dass die Fahrzeughersteller "eine ausreichende Vorlaufzeit bei der Planung der Verkehrsausschreibung" benötigen.