Fast täglich ist sie in der St. Marienkirche, inzwischen seit 16 Jahren. Sie öffnet die Kirchentür für Besucher, sorgt so für eine offene Kirche. "Bedarf ist da", sagt sie, "es kommen oft Leute, manchmal gezielt, aber auch ganz spontan." Annett Zach drängt sich Interessierten nicht auf, sondern hält sich bescheiden zurück. Die große Rednerin sei sie ohnehin nicht. "Wenn Besucher aber Fragen haben, kann ich schon einiges erzählen", versichert sie. "Kirchen interessieren mich. Ich gehe auch in anderen Orten gern hinein."
Das imposante Gotteshaus in Dahme ist so etwas wie ihr zweites Zuhause. Hier bereitet sie Gottesdienste, Konzerte und andere Feste mit vor, zündet etwa die Kerzen auf dem Altar an. Im Winter schaltet sie rechtzeitig die Heizung ein, damit die Besucher später nicht frieren müssen. Das Läuten der Glocken übernimmt inzwischen die Elektrik. Bei besonderen Anlässen wie Hochzeiten aber schaltet sie die Automatik per Knopfdruck ein. Und sie steckt die Seitenzahlen an den Tafeln im Kirchenraum, damit die Besucher die Lieder im Gesangsbuch finden. Wenn die neuen Gemeindebriefe da sind, schnappt sie sich ihren Stapel und verteilt die Heftchen an Mitglieder ihrer Kirchengemeinde.
Annett Zach möchte am liebsten gar nicht über ihr Engagement reden. "Klar", sagt sie, "ich will etwas Sinnvolles leisten, etwas bewegen. Aber das wollen andere Leute in unserer Kirchengemeinde auch." Ihr Anteil sei ohnehin nicht besonders groß. Sie steht bei Veranstaltungen allerdings fast immer am Eingang, verteilt Liederzettel, begrüßt die Gäste, hilft bei der Platzsuche. Das macht sie so schon seit Anfang der 90er-Jahre.
Die junge Frau stammt ursprünglich aus Straupitz (Dahme-Spreewald), kam aber schon frühzeitig mit ihrer Mutter nach Dahme. "Die Stadt mit ihren vielen alten Häusern gefällt mir, und natürlich auch unsere Kirche mit ihrer tollen Innenausstattung." Schon mit 16 habe sie sich als Kirchendienerin engagiert. Da war sie gerade getauft und konfirmiert worden. "Das wollte ich unbedingt", verrät die Dahmenserin. "Ich bin sehr gläubig, weiß, dass es da oben im Himmel jemanden gibt." Sie sagt, dass sie dankbar sei, ihr Ehrenamt ausführen zu dürfen: "Was sollte ich denn sonst auch tun„ Ich habe ja keine andere Aufgabe."
Seit Ende der 90er-Jahre sei die gelernte Gebäudereinigerin ohne feste Arbeit, mit Ausnahme einer ABM-Stelle im Besuchsdienst ihrer Kirchengemeinde. "Endlich wieder eine richtige Arbeit, das wäre super." Bei der Deutschen Reichsbahn hatte sie in ihrem Beruf gearbeitet. Doch das ist lange her. Inzwischen pendelt sie fast täglich zwischen ihrem Zuhause und der Kirche. Längst ist ihr die St. Marienkirche zu einem vertrauten Ort geworden.
Daran ändert auch nichts, dass sie in den vergangenen 20 Jahren schon mehrere Pfarrer in Dahme erlebt habe. Reinhild und Stefan Magirius haben die Kirchengemeinde erst vor ein paar Wochen verlassen. "Ich habe schon viel in meiner Zeit als Kirchendienerin erlebt - auch tolle Konzerte, die im Gedächtnis bleiben", erzählt Annett Zach.
Seit elf Jahren engagiert sie sich im Kulturverein der Stadt. "Der Verein wird von vielen Bürgern und Gruppen der Stadt getragen", erklärt sie, "und ich vertrete halt die Kirche." Auch im Kulturverein wirkt sie eher im Hintergrund. Sie stellt etwa Stühle für Konzerte, sichert den Einlass, hilft bei Veranstaltungen im Heimatmuseum. Und sie verteilt Werbematerial in der Stadt. Dass sie ehrenamtlich viel Zeit für andere Menschen investiert, stört sie nicht. Im Gegenteil: "Es ist ein schönes Gefühl, etwas Gutes zu tun. Meine Arbeit wird anerkannt. Und das", sagt Annett Zach, "tut mir gut."
Wer sind Ihre "Helden des Alltags"“ Senden Sie Ihren Vorschlag unter dem Stichwort "Helden" an: politik@lr-online.de

Steckbrief Eine richtige Arbeit wäre schön
Geboren am 2. März 1975 in Lübben (Dahme-Spreewald).
Familie: ledig und allein lebend.
Beruf: Gebäudereinigerin bei der Deutschen Reichsbahn.
Größte Niederlage: Gibt es keine. Ich nehme das Leben, wie es ist.
Größter Erfolg: Wenn die Kirche so richtig voll ist, wie etwa vor ein paar Monaten zum 150. Jubiläum der evangelischen Tagesstätte "Amalienstift" in Dahme.
Zuletzt geärgert, das kommt bei mir nicht vor. Weil ich längst weiß, dass ärgern nichts bringt.
Zuletzt gefreut habe ich mich, als ein Besucher zu mir kam und danke gesagt hat.
Wenn ich einen Wunsch frei hätte. . . , dann würde ich gern endlich wieder eine richtige Arbeit haben wollen.
Lebensmotto: Immer glücklich und zufrieden sein.
Vorbilder: Michael Gorbatschow, weil mir seine Politik gefallen hat, und weil er am gleichen Tag und im gleichen Monat wie ich Geburtstag hat.
Was ich noch sagen wollte: Es wäre sehr schön, wenn wir möglichst schnell einen neuen Pfarrer in Dahme bekommen würden.