Anstatt das Kind zurückzubringen, reiste er mit dem Kind nach Polen. Nach etwa zweieinhalb Wochen auf der Flucht wurde er am Samstag in Breslau von polnischen Spezialkräften festgenommen. Das Kind wurde noch am selben Abend der Mutter übergeben.

"Es gab Androhungen, dass das Kind dauerhaft entzogen werden sollte", sagte Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke am Montag vor Journalisten in Potsdam. "Aufgrund der Psyche des Täters war auch mit einem erweiterten Suizid zu rechnen." Zeitweise waren deswegen bis zu 200 Brandenburger Polizeibeamte mit dem Entführungsfall beschäftigt. Zudem habe es stets eine enge Zusammenarbeit mit polnischen Beamten gegeben. Der Täter hatte erst in diesem Jahr nach zwölfjähriger Dienstzeit seinen Dienst bei der Bundeswehr quittiert. Eine anschließende Ausbildung zum Rechtspfleger brach er nach wenigen Wochen ab. Wieso er alle Bindungen hinter sich abbrach, ist nach Angaben des mit der Leitung des Ermittlungen betrauten Kriminaloberrats, Andreas Dingelstadt, derzeit nicht klar. Hinweise etwa auf einen Auslandseinsatz und die damit verbundenen emotionalen Belastungen gebe es nicht.

Vor dem Entführungsfall hatte es zwischen dem Täter und seiner früheren Lebensgefährtin einen veritablen Rosenkrieg gegeben: Beide Seiten haben sich nach Polizeiangaben mit Strafanzeigen überzogen. Der Täter habe im Verlauf der Flucht immer wieder gefordert, die Strafanzeigen zurückzunehmen. "Der Täter hatte die Entführung länger vorbereitet", sagte Dingelstadt. In seiner Wohnung sei der Kühlschrank abgetaut gewesen. Seinem Vater habe er eine Generalvollmacht für sein Eigentum übergeben.

Der Aufenthaltsort des Entführers in Polen sei über dessen Kommunikation sowie durch das Bezahlen von Hotelzimmern mit EC- und Kreditkarten festgestellt worden. Derzeit laufe das Auslieferungsverfahren. Dem Täter drohe nun eine Gefängnisstrafe von mindestens fünf Jahren Haft.