Manchmal droht die Befragung der Sachverständigen vom Brandenburger Landeskriminalamt (LKA) durch die Cottbuser Staatsanwaltschaft in ein Fachgespräch zwischen Insidern abzugleiten. Vor dem Amtsgericht Senftenberg berichten am Mittwoch ein Beamter und seine Kollegin, wie sie die Festplatten von drei im Haus von Georg Dürrschmidt beschlagnahmten Computern nach Kinderpornos durchsucht haben.

Nächtliche Löschaktion

Es geht um Dateifragmente, Prüfsummen, System- und Echtzeiten, Verschlüsselungs- und Löschprogramme. Einige Angaben der Experten belasteten den angeklagten Kommunalpolitiker. In einer Nacht, als von dem Rechner in Dürrschmidts Büro auf eine Kinderpornoseite geklickt wurde, war beispielsweise kurz vorher die Textdatei einer privaten Rechnung geändert worden. Außerdem bestätigte der LKA-Fachmann, dass in einer Januarnacht 2007 reihenweise Daten auf dem Bürorechner gelöscht worden waren. Am folgenden Abend kam die Polizei mit dem Durchsuchungsbeschluss und beschlagnahmte alle drei Computer in dem Haus.

Dem suspendierten Landrat wird vorgeworfen, mehrfach auf Kinderpornos im Internet zugegriffen zu haben. Dürrschmidt bestreitet das und hatte einen Strafbefehl, der ein Schuldanerkenntnis bedeutet hätte, abgelehnt.

IP-Nummern, eine spezielle Kennung jedes Computers, hatten aus zwei verschiedenen Fahndungen zum Rechner in Dürrschmidts privatem Büro in Großräschen geführt.

Dreh- und Angelpunkt des Prozesses ist die Frage, was an Kinderpornografie auf den Rechnern im Haushalt des Landrates gefunden wurde und wann diese Dateien per Internetverbindung dorthin kamen. Denn Dürrschmidts Verteidigung basiert auf zwei Behauptungen: Sein Haus sei selten verschlossen und er selbst zu den fraglichen Tatzeiten nicht in der Nähe gewesen.

Die Schilderungen der beiden LKA-Beamten gaben einen Einblick in das Vorgehen bei solchen Ermittlungen. Die Festplatten der beschlagnahmten Rechner werden dabei zunächst komplett kopiert. Dann werden die Kopien mit einer speziellen Fahndungs-Software durchforstet.

Datei-Fingerabdruck

Dazu gehört die Suche mit „Prüfsummen“. Dahinter verbergen sich Berechnungen bekannter Kinderpornodateien, die wie ein digitaler Fingerabdruck aufbereitet werden. Im nächsten Schritt wird mit bestimmten Suchworten aus Namen von Dateien und Internetseiten die Festplattenkopie durchsucht. Recherchiert wird dabei auch in den gelöschten Bereichen des Rechners.

Auf einem abgestellten älteren Rechner und dem Computer in Dürrschmidts Büro fanden die Spezialisten in den gelöschten Bereichen der Festplatte einen Kinderpornofilm und Dateifragmente mit Verbindung in die Kinderpornoszene. Nachgewiesen wurde auf dem Bürorechner auch, dass dort irgendwann mal eine Verschlüsselungssoftware mit dem Namen „Kremlin“ installiert worden war. „Damit kann man Dateien so verstecken, dass man nur mit einem Passwort hingelangt“, sagte der Sachverständige vom LKA. Auf diese Software hatte das Bundeskriminalamt (BKA) in dem nach Brandenburg abgegebenen Ermittlungsverfahren ausdrücklich hingewiesen. Ein Dateifragment, das die LKA-Fachleute auf dem Büro-Computer entdeckten, gehörte außerdem zu einer Anweisung, wie man aus Kremlin-Dateien wieder sichtbare Bilder macht.

Keine verdächtigen Spuren fanden die LKA-Experten lediglich auf dem Computer im Zimmer von Dürrschmidts Stiefsohn.

Der suspendierte Landrat hatte zu Beginn des Prozesses gelassen gewirkt und keine Angaben zur Sache gemacht. Am gestrigen dritten Verhandlungstag stellte Dürrschmidt immer wieder fachliche Fragen und schien angespannter als zu Beginn des Verfahrens.

In den kommenden Verhandlungstagen wird sich das Gericht weiter durch die technischen Details arbeiten, um die Zeitpunkte der angeklagten Taten sicher zu bestimmen. Dann wird es sich den von Dürrschmidt angegebenen Alibis zuwenden. Am kommenden Mittwoch sind die Ehefrau und die Stiefsöhne Dürrschmidts als Zeugen geladen. Ob sie aussagen, ist jedoch fraglich.