Damit hat sich die Kinderarmut in den vergangenen zwei Jahren mehr als verdoppelt, erläutert der Präsident des Kinderschutzbundes Heinz Hilgers. Immer mehr seien vom sozialen Leben ausgeschlossen, weil für sie Freizeitangebote unerschwinglich seien. Diese Kinder bekämen keine gute Bildung und seien oft bei schlechter Gesundheit, beklagten Kinderschutzorganisationen. Sie forderten die Regierung auf, konkrete Pläne zur Reduzierung der Kinderarmut vorzulegen. Notwendig seien gebührenfreie Kindergärten, Ausbau von Ganztagsschulen, kostenlose Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen.

Hilgers sieht den Grund für die steigende Kinderarmut im "dramatischen Anstieg der Zahl der Langzeitarbeitslosen". Zudem sei "durch die Hartz-IV-Gesetze das Einkommensniveau von Familien gesunken".

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich jetzt für die Aufnahme von Kinderrechten in das Grundgesetz ausgesprochen. Ein eigener Artikel, so wie für die Familie, soll in das Grundgesetz aufgenommen werden. Die Kanzlerin griff damit überraschend einen entsprechenden Vorschlag von Ex-Verfassungsrichter und Alt-Bundespräsident Roman Herzog auf.

"Die Frage, wie entwickeln sich die Kinder in unserer Gesellschaft, ist die Frage nach der Zukunft unserer Gesellschaft", sagte Merkel auf dem Forum ,,Ausgeschlossen - Kinderarmut in Deutschland".

Die Untersuchung von Unicef zeigt außerdem, dass die Kinderarmut in Deutschland, gemessen am durchschnittlichen Jahreseinkommen von Familien im vergangenen Jahrzehnt deutlich schneller gestiegen ist als die Armutsrate in der übrigen Bevölkerung.

Kinder aus Zuwandererfamilien wachsen zudem häufiger in Armut auf als ihre deutschen Altersgenossen. Besonders schwierig sei die Situation in Familien mit nur einem Elternteil. Fast 40 Prozent aller Alleinerziehenden und ihre Kinder seien relativ arm.

"Kinderarmut in Deutschland bedeutet massenhafte Ungerechtigkeit und Benachteiligung. Kein Land kann es sich leisten, so vielen Kindern einen guten Start ins Leben vorzuenthalten", sagte Heide Simonis, Vorsitzende von Unicef Deutschland. Heinz Hilgers, Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, beklagte, der im Koalitionsvertrag zugesagte Kinderzuschlag erreiche bislang nur gut 40 000 Kinder.