Kinder sind ein rares Gut. In der Lausitz stärker noch als im Rest der Republik fehlt es an Nachwuchs. Die Geburtenrate in Deutschland liegt derzeit bei 1,3 Kindern pro Frau, in Sachsen und Brandenburg bei 1,2. Damit sind die Deutschen Schlusslicht in Europa.
Im Wochenrhythmus legen Experten Studien vor, die begründen, warum Familien immer weniger und später Kinder bekommen. Und auch die Kinder, die schon auf der Welt sind, werden gründlich erforscht: Warum sind sie so schlecht in der Schule, so aggressiv, so dick, warum weisen so viele Kinder Verhaltens- und Entwicklungsstörungen auf?
Ein Blick in die Statistik zeigt zunächst Erfreuliches. Denn immerhin erklären sich 84 Prozent aller Sechs- bis 14-Jährigen für glücklich mit ihrem Leben. Vier von fünf Kindern waren oder sind Mitglied in einem Sportverein, also körperlich aktiv. 58 Prozent der Sechs- bis 13-Jährigen lesen mindestens ein Buch pro Woche (nur 35 Prozent der Erwachsenen). Im Haushalt helfen 95 Prozent aller Kinder mit.
402 Minuten des Tages verbringen die Kinder mit Schule und Schulweg, Hausaufgaben und üben - 116 Minuten mehr als 1990.
Das sieht doch alles ganz gut aus, denkt man, blättert in anderen Statistiken - und findet folgende Zahlen: Inmitten der Wohlstandsgesellschaft ist der Anteil der Kinder, die arm sind, doppelt so hoch wie unter Erwachsenen.
Inmitten der Wissensgesellschaft erleben Kinder einen Bildungsnotstand: In den Schulen sind ihre Chancen, sich zu Höchstleistungen zu entfalten, nur halb so gut wie in europäischen Nachbarländern. Zehn Prozent der Schüler lagen laut der Pisa-Studie unterhalb der schlechtesten Leistungsstufe: So viele wie sonst nur in Brasilien oder Luxemburg.
Der Streifradius eines Grundschulkindes wurde seit den siebziger Jahren von 20 auf vier Kilometer gestutzt. Und zum Zeitpunkt der Einschulung können über die Hälfte der Kinder nicht mal 30 Sekunden auf einem Bein stehen (Quellen: Bundesfamilienministerium, Shell Jugendstudie, Bundesgesundheitsministerium).