Frau Klewin, welche Erfahrungen hat die Gedenkstätte mit jungen Besuchern?

Die bisherigen Angebote zielten vorrangig auf Schüler ab 14 Jahren. Das neue Projekt richtet sich erstmals an Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren. Erste Erfahrungen in der Bildungsarbeit mit Kindern ab sechs Jahren waren so positiv, dass sich die Gedenkstätte entschloss, das Pilotprojekt mit dem Titel „Das andere Gefängnis“ zu entwickeln.

Was brachte Sie auf die Idee, sich stärker der demokratischen Früherziehung zu widmen?

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Kinder bereits früh Geschichtsbilder im Kopf haben. Mediale Aufbereitungen historischer Themen und Gespräche am Familientisch gehen nicht spurlos an den Kindern vorbei. Teilweise krude Bilder setzen sich in den Köpfen fest. Auf die Idee selbst brachte uns eine Anfrage aus einer Kindertagesstätte in Oppach. Dort erzählten Hortkinder beispielsweise: ,Die DDR, das war früher ein Land, da waren alle eingesperrt, alle haben geschossen und alle mussten in den Krieg.' Unser Projekt will einen Beitrag leisten, korrekte Fakten zu vermitteln.

Wird das Projekt auf die Geschichte des früheren Stasi-Gefängnisses gezielt eingehen?

Das Projekt will in erster Linie zur Auseinandersetzung mit übergeordneten Fragestellungen anregen, etwa was ein Gefängnis ist oder wen man einsperren darf. Als Detektive erkunden die Schüler in kleinen Gruppen das ehemalige Gefängnis. Historische Zusammenhänge und geeignete Haftschicksale sollen kindgerecht erzählt werden. Leitfragen stecken den Rahmen ab, doch der tatsächliche Verlauf des Projektes hängt von den Fragen der Kinder und deren Interesse ab.