Christopher Schorch blickt sich erstaunt um. Im Presseraum des FC Energie Cottbus hocken knapp 40 junge Journalisten und klatschen dem Fußballspieler wohlwollend Beifall. "Äh, so was macht man bei einer Pressekonferenz aber eigentlich nicht", ruft RUNDSCHAU-Sportredakteur Jan Lehmann dazwischen. "Journalisten sollten immer Distanz wahren, um objektiv zu bleiben."

Die künftigen Reporter grinsen und nehmen den Tadel gelassen. Ihre Stimmung kann an diesem Wochenende scheinbar nichts trüben: Schließlich gestaltet sich die "Präsenzphase" in der Lausitz wie eine fröhliche Klassenfahrt.

Das bekommt auch FCE-Profi Schorch zu spüren. Länger als bei üblichen Pressekonferenzen löchern die Jungreporter ihn mit Fragen. "Nerven Sie die vielen Vereinswechsel?", "Wie schaffen Sie es, nach Verletzungen am Ball zu bleiben?", und "Wieso sind Sie in Cottbus, wenn Sie schon bei Real Madrid gespielt haben?", wollen die designierten Redakteure wissen.

Schorch pariert die Fragen entspannt. Längst ist der 23-Jährige nicht nur auf dem Platz, sondern auch im Umgang mit Medien ein Profi. Dass der Presseraum des FCE bis auf wenige Stühle voll besetzt mit gut gelaunten Journalisten ist, hat er allerdings noch nie erlebt.

Auch andernorts verbreiten die Gäste von der Fachhochschule Kiel lebhafte Stimmung. Bei einer Kahnfahrt durch den frühlingshaften Spreewald tauchen sie zwar zunächst in die Idylle der Fließe ein. "Herrlich, das ist ja wie in Venedig", seufzt Studentin Christina Norden (24) und lehnt sich zurück. "Nur ohne Gestank." Fährmann Manfred Göring nickt zufrieden und zieht den nächsten Trumpf: einen Korb voller Kurzer. Jetzt ist es mit der Ruhe vorbei. Da schwankt der Kahn - Spreewald-Bitter für alle.

Bald schrecken La-Ola-Wellen schläfrige Enten und Spaziergänger auf. Auf den Fährmann prasseln Fragen ein: "Wie bekommen die Spreewälder ihre Zeitung?", "Geht es per Kahn in die Schule?" und "Ist die Wasserschlange neben mir giftig?", wollen die Nachwuchsjournalisten wissen.

Dass sie ihre Tour in die Lausitz derart genießen würden, war für manche Gäste nicht selbstverständlich. Schließlich haften noch immer einige Klischees an ostdeutschen Regionen. "Ich bin ganz ehrlich: Ich dachte, hier wäre es ziemlich trist", gibt Gunda Krüger, Koordinatorin des Studiengangs, zu. "Aber als ich gesehen habe, welchen Reiz die Kombination aus alter Bausubstanz und Plattenbauten hat, war ich direkt vom Gegenteil überzeugt." Im Sommer will Gunda Krüger mit der Familie sogar Urlaub in der Lausitz machen.

Auch Studentin Christine Fratzke (23) nimmt einen positiven Eindruck vom Ausflug zu den RUNDSCHAU-Kollegen mit. "Wie herzlich uns die Leute hier begegnen", wundert sie sich. "Mich hat es zwar nie hergezogen, aber jetzt bin ich echt überrascht, wie schön die Lausitz ist." Zum Urlaubsgefühl tragen auch die Altstadt von Cottbus und lange Abende in verschiedenen Clubs bei.

So wundert es nicht, dass die Gäste aus Kiel mittlerweile sogar dem FC Energie die Daumen gegen den Abstieg drücken. Eine Studentin hat im Strafraum auf dem Rasen des Stadions der Freundschaft ein Cent-Stück gefunden. "Vielleicht ist das ja ein Glückspfennig von einem der Spieler", mutmaßt Dana Ruhnke (28). "Wir haben den lieber gleich wieder hingelegt. Ich würd' sagen, der Klassenerhalt ist gesichert."