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Kickbox-Team schließt Lokalmatador nach Urteil aus

Dresden/Cottbus. Der Kickbox-Team Cottbus 09 e.V. hat bei einer außerordentlichen Vorstandssitzung am Freitag beschlossen, dass das Vereinsmitglied Markus Walzuck aus dem Verein ausgeschlossen wird.Vor wenigen Wochen noch war Walzuck einer der Spitzenkämpfer des Kickbox-Teams Cottbus. Gestern wurde der Träger des Deutschen Meistergürtels wegen Teilnahme an einer Reise im Hitler-Gedenk-Shirt bestraft. Von Simone Wendler und Alexander Dinger

Unter der tief in die Stirn gezogenen grauen Wollmütze lächelt Markus Walzuck, als er am Donnerstagvormittag den Saal 42 des Dresdener Amtsgerichtes betritt. Eine Stunde später ist ein Strafbefehl über 20 Tagessätze wegen Volksverhetzung gegen ihn rechtskräftig und die Laune des Cottbusers merklich getrübt.

Angeblicher Party-Spaß

Glaubt man den Aussagen des 28-jährigen Kickboxers, dann war es eine ganz normale Urlaubsfahrt auf die spanische Sonneninsel Mallorca, zu der er mit 17 anderen Lausitzern in den frühen Morgenstunden eines Tages im Mai 2010 auf dem Dresdener Flughafen startete. Auffällig jedoch die schwarzen T-Shirts, die alle in der Gruppe trugen.

"A.H. Memorial Tour 2011-Protectorat Mallorca" stand auf der Brustseite. Die Aufschrift "Seit 66 Jahren vermisst. Du fehlst uns. Wir brauchen dich", zierte die Rücken. Für die Staatsanwaltschaft Dresden ein klarer Fall von öffentlicher Hitler-Verehrung und damit Volksverhetzung. Doch anders als andere aus der makaberen Reisegruppe akzeptierte Walzuck einen deshalb verhängten Strafbefehl nicht, sondern legte Einspruch ein und ließ es auf eine mündliche Verhandlung ankommen.

Vor dem Dresdener Amtsgericht begleitet ihn Rechtsanwalt Ronny Krautz aus Spremberg. Der sagt einerseits, die T-Shirts seien ein Party-Spaß, die Aufschrift frei erfunden und ohne Bedeutung. Andererseits erzählt er, dass sein Mandant ihm die Aufschrift der Hemden vor der Reise zur juristischen Prüfung vorgelegt habe.

Anwaltsschreiben verlesen

Als Beleg dafür reicht er ein Schreiben zum Richtertisch, das verlesen wird. Darin teilt er Markus Walzuck mit, die Aufschriften seien nach seiner Überzeugung nach § 86 und 86a nicht strafbar. Das sind gerade die beiden Paragrafen, die rechtsradikale Propagandadelikte betreffen.

Die Frage des Staatsanwalts, warum er ein angeblich harmloses "Party-Shirt" juristisch in dieser Hinsicht prüfen ließ, kann Walzuck nicht schlüssig beantworten. Auch über den Hersteller der Hemden hüllt er sich in Schweigen. Warum er das Anwaltsschreiben über die angebliche Unbedenklichkeit der Shirts nicht vorgelegt hat, als die Hemden bei der Rückreise auf dem Flughafen in Dresden beschlagnahmt wurden? Walzuck sagt, das habe er vergessen.

Eine Verhandlungspause mit einem Gespräch zwischen Walzuck, seinem Anwalt und dem Anklagevertreter bringt dann plötzlich die Wende. Walzuck nimmt seinen Einspruch zurück und akzeptiert damit den Vorwurf der Volksverhetzung durch seine Teilnahme an der Reise im Hitler-Gedenk-Shirt.

Im Kickbox-Team Cottbus, das in Kooperation mit dem Boxclub Cottbus seit Jahren um ein sauberes Image weit weg von Rechtsradikalen, Rockern und Hooligans ringt, soll sich Walzuck nach RUNDSCHAU-Recherchen im Dezember vorläufig abgemeldet haben. Wegen eines anhängigen Verfahrens wolle er seine Mitgliedschaft ruhen lassen.

Im Oktober vorigen Jahres hatte Walzuck zur Verteidigung seines Titels als Deutscher Meister noch ein Glückwunschschreiben des Cottbuser Oberbürgermeisters und des Chefs vom Stadtsportbund erhalten. Dabei gab es vorher schon erste Signale auf Kontakte des Spitzenkämpfers in das rechte Milieu.

Walzuck war einer von zwei Cottbuser Kämpfern, die im Mai 2011 nicht zu einem Länderkampf nach Israel mitfuhren. Hinweise auf Kontakte von ihm in die rechtsradikale Szene sollen dafür der Anlass gewesen sein. Im Elbe-Elster-Kreis soll Walzuck im Vorjahr bei einer Kampfveranstaltung zu Musik der rechtsextremen Band "Blitzkrieg" in den Ring marschiert sein.

Verfassungsschutz warnt

Der Brandenburger Verfassungsschutz warnt inzwischen vor einer Unterwanderung von Kampfsportvereinen durch Rechtsex tremisten. Sie suchten dort Anerkennung und den schützenden Status von Normalität, sagte Brandenburgs Verfassungsschutzchefin Winfriede Schreiber kürzlich. Kampfsporttraining erhöhe auch die Gefahr rechtsextremer Gewaltanwendung.

Das Cottbuser Kickbox-Team, ein eingetragener Verein mit vielen regionalen Sponsoren, hat sich vorgenommen, Kickboxen als Breitensport populär zu machen. Der Verein betreibt auch Kinder- und Jugendtraining. Von über 70 Mitgliedern sind etwa ein Drittel jünger als 18 Jahre.

Zu dem Strafbefehl gegen Markus Walzuck wegen Volksverhetzung wollte sich der ehrenamtliche Präsident des Kickbox-Teams und aktive Kämpfer, Steve Beier, gestern noch nicht äußern. Für heute Vormittag hat er eine außerordentliche Vorstandsversammlung einberufen. Die will Beier abwarten: "Ich kann nicht allein für den Verein sprechen."

Andreas Günther, ehrenamtlicher Präsident des Boxclub Cottbus, der mit dem Kickbox-Team kooperiert, lobt dessen ehrenamtliche Führung: "Die machen eine gute Arbeit." Man könne nicht für jeden im Verein die Hand ins Feuer legen, aber wenn eine rechtsextreme Gesinnung durch ein Gerichtsverfahren offenbar wird, müsse ein Sportverein handeln: "Wir lassen nicht zu, dass sich Rechtsradikale bei uns tummeln."