Mit Trillerpfeifen und Protestrufen machen Studenten, Mitarbeiter und Bürger in Cottbus ihrer Wut Luft: "Ich bin frustriert darüber, dass wir Betroffenen nicht vorher angehört wurden", sagt Student Till Lingnau. Bei der 17. Mittagsdemonstration steht er genau an der Ecke der Karl-Marx-Straße. Sein Plakat mit der Aufschrift "Diese Reform ist unser Ruin" hält er den vorbeifahrenden Autos deutlich sichtbar entgegen.

Bereits vor dem offiziellen Demostart um 13 Uhr stellen sich die ersten Studenten an den Fußweg der Universitätsstraße. Bis auf etwa 2000 Teilnehmer wächst die Menschenkette in nur wenigen Minuten. Die Studenten, BTU-Mitarbeiter und Cottbuser Bürger protestieren gegen den Beschluss der Potsdamer Landesregierung, der den Weg für die Neugründung einer Universität in der Lausitz freimacht. Aus der BTU und der HSL Senftenberg soll künftig eine Hochschule werden. Sie soll den Namen Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg tragen. Das sieht der Gesetzentwurf zur Neustrukturierung der Hochschulregion Lausitz vor. Angehört werden die Vertreter der Volksinitiative "Hochschulen erhalten" erst am 24. Oktober im Wissenschaftsausschuss des Landtags. Anstatt sich nur in die Warteschlange einzureihen, bilden die Protestierenden lieber eine Kette.

Studentin Carolin Poser war erst einmal schockiert, als sie von dem Beschluss hörte: "Wir haben alle für den Erhalt unserer Hochschulen unterschrieben und dann werden wir übergangen", so die 26-Jährige. Das Plakat von Mitarbeiterin Sandy Schneider trifft den Tenor der Demo: "42 000 Stimmen ohne Beachtung." "Ich hoffe, dass wir noch die Möglichkeit haben werden, etwas zu bewegen", sagt die Mitarbeiterin.

Die meisten der etwa 2000 Teilnehmer sind frustriert, verärgert oder einfach ratlos. "Man spürt das Entsetzen, wie mit Demokratie umgegangen wird", so Paul Weisflog von der Volksinitiative "Hochschulen erhalten". Nicht nur Studenten und Mitarbeiter gesellen sich in die Menschenkette, sondern auch Passanten. Im Chor rufen sie: "Wir sind wütend, wir sind laut, weil man uns die Uni klaut."

Die Aufmerksamkeit der vorbeifahrenden Autos ist den Teilnehmern garantiert. Der Verkehr stockt teilweise auf der Karl-Marx-Straße. "Gerechnet hatten wir eigentlich nur mit etwa 500 Leuten", erklärt Jonas Schindler vom Studierendenrat der BTU Cottbus, der sich über das große Interesse freut.

Nach etwa 45 Minuten rollt der Masterstudent Steffen Jacob das grüne Plakat der Volksinitiative zusammen. Für ihn ist es unverständlich, warum ein Beschluss getroffen wird, ohne dass sich die Leute, die es betrifft, vorher äußern können. Um vielleicht doch gehört zu werden, geht er weiter "fleißig demonstrieren".

Einige leise Trillerpfeifen hört man noch aus der Entfernung: Doch so schnell, wie sich die Menschen um den Campus verkettet haben, so schnell haben sie sich auch wieder gelöst. "Die Anzahl der Leute zeigt aber, dass der Protest nicht eingeschlafen ist", sagt Paul Weisflog und ergänzt: "Es gibt noch Leute, die an Demokratie glauben."