Der Hochschulrat der Uni Leipzig bleibt stur. Das Gremium, das über den neuen Rektor der Alma Mater entscheidet, sieht keinen Anlass, die umstrittene Kandidatenliste zu ändern.

Über diese Liste gab es vor zwei Wochen helle Aufregung, denn es fehlt der Name der Amtsinhaberin. Beate Schücking will gern weitermachen. Das jedoch ist momentan unwahrscheinlich. Es gebe "aus Sicht des Hochschulrates Argumente dafür, sie nicht als Kandidatin zu benennen", erklärte der Vorsitzende Reinhold Grimm am Freitag in der Leipziger Volkszeitung. Das Rektorat soll zum 1. März 2016 neu besetzt werden.

Indes irritierte die Art und Weise, wie Beate Schücking von ihrer Absetzung erfuhr. Im Urlaub sei sie vom Hochschulrat der Uni angerufen worden, erzählte die Rektorin der "Zeit". Grimm sagt inzwischen, er habe ihr einen Brief geschickt mit ausführlicher Begründung. Der sei aber dem Poststreik zum Opfer gefallen und nicht angekommen.

Die geschasste Rektorin ging nach dem Anruf sogleich in die Gegenoffensive. Der Hochschulrat, noch besetzt zu Zeiten der CDU-FDP-Staatsregierung, wolle sie aus politischen Gründen nicht mehr. Dass die 59-jährige Medizinerin abgestraft werden soll für ihre Verweigerungshaltung gegenüber den Hochschuleinsparungen, gilt unter Hochschulexperten als wahrscheinlich. Studi-Vertreter sowie Landtagsabgeordnete von SPD, Linken und Grünen stellten sich deshalb prompt vor die Rektorin. Schließlich ist der neunköpfige Hochschulrat zu großen Teilen von Ex-Wissenschaftsministerin Sabine von Schorlemer (parteilos) eingesetzt worden.

Ohnehin sind Hochschulräte selten beliebt. Ein solches Gremium ist eine Art Aufsichtsrat für die Uni, in dem üblicherweise etliche Externe sitzen. In diesem umstrittenen Gremium, eine Art Aufsichtsrat für die Hochschule, sitzen neun Leute. Fünf von ihnen werden vom Wissenschaftsministerium in Dresden benannt. Ihr Einfluss macht sich gerade bei Besetzungsfragen bemerkbar.

Auf die Rektorenwahl haben die neun großen Einfluss. Sie legen dem Senat die handverlesenen Bewerber vor, aus denen der dann auswählen kann. Dass das nicht eben den Grundsätzen von Demokratie und Transparenz entspricht, ist oft beklagt worden. Ein umstrittenes Verfahren, lässt es doch einen gewissen Einfluss der Landesregierung auf die Hochschulpolitik erkennen. Sachsen hat Hochschulräte mit dem schwarz-gelben Hochschulfreiheitsgesetz eingeführt.

Also müsse man den Wahlspruch des Gremiums auch respektieren, meint der Romanistik-Professor Alfonso de Toro. "Hätte die amtierende Person eine solche Priorität, könnte das ganze Verfahren gespart werden." Dem Rat ein politisch motiviertes Komplott oder ein undemokratisches Vorgehen zu unterstellen, ist für den Professor "nicht akzeptabel und gehört in den Bereich der reinen und böswilligen Spekulation". Der Senat will die Causa Schücking auf seiner Septembersitzung diskutieren - er hat indes auf das Verfahren nur geringen Einfluss.

Die aus Kassel stammende Schücking leitet seit 2011 die Leipziger Uni. In ihrer Amtszeit hatte das Haus schmerzhafte Sparauflagen aus Dresden zu stemmen. Die Situation verglich die Medizinerin in der Öffentlichkeit mit der "Amputation ganzer, gut funktionierender Muskelgruppen".

Bundesweit Furore machte die Rektorin, als sie an der Hochschule das generische Femininum einführte. Seitdem redet man dort grundsätzlich nur noch von "Professorinnen", das gilt auch für Männer.