Wer auf der Homepage oder der Facebook-Seite des Kickbox-Teams Cottbus (KBTC) nach aktuellen Meldungen sucht, wird enttäuscht. Seit dem Jahreswechsel ist es dort auffallend ruhig. Dabei befindet sich der Verein, zu dem ein amtierender Europameister gehört, in einer bedrohlichen Situation.

Seit zwei Wochen liegt dem Verein eine Erklärung der Stadt Cottbus vor, dass er keine kommunale Trainingshalle mehr nutzen darf. Das bestätigt Bildungsdezernent Berndt Weiße. Begründet wird dieser Schritt mit mangelnder Transparenz des Vereins bei der Aufarbeitung rechtsextremer Verstrickungen.

Vor einem Jahr war bekannt geworden, dass der damalige Spitzenkämpfer des KBTC, Markus W., ein beim Verfassungsschutz aktenkundiger Neonazi war. Er hatte 2011 eine Mallorca-Reise mit Hitler-Gedenk-Shirts organisiert, an der unter anderen ein weiterer KBTC-Kämpfer sowie der spätere Europameister Mario Schulze und ein Sponsor teilnahmen.

Das ganze Ausmaß dieser Verbindungen war im Herbst 2012 bekannt geworden. Markus W. und zwei andere Kämpfer mit rechtsextremen Verbindungen hatten das KBTC da bereits verlassen. W. hatte zu den Gründern des KBTC gehört und den Verein maßgeblich mitgeprägt.

Über einen Kooperationsvertrag mit dem Boxclub Cottbus (BCC) trainierte das KBTC bisher in einer städtischen Sporthalle. Als die Stadt Anfang des Jahres erfuhr, dass Markus W. und ein weiterer rechtsextremer Ex-Kämpfer des KBTC im November vorigen Jahres Gäste bei einem Vereinsturnier waren, zog sie die Notbremse. "Wir haben kein Vertrauen mehr zu dem Verein, wie er jetzt ist", begründet Bildungsdezernent Weiße den Rauswurf aus der städtischen Halle. Das KBTC reagierte auf eine RUNDSCHAU-Anfrage zu der Hallen-Kündigung nicht. Wohl aber der Boxclub Cottbus. Mitte Februar sei der Kooperationsvertrag mit dem KBTC beendet worden, teilte der Verein mit. Ob damit auch die durch den Kooperationsvertrag geregelte Doppelmitgliedschaft der KBTC-Mitglieder im BCC beendet ist, ließ der Verein offen.

Das KBTC hatte sich seit Jahren in Cottbus bemüht, Kickboxen als Breitensport populär zu machen und zahlreiche Kinder und Jugendliche trainiert. Jedes dritte Mitglied ist jünger als 18 Jahre. Anfang Oktober vergangenen Jahres hatte die dritte Kickbox-Nacht des Vereins erstmals in der Lausitz-Arena stattgefunden, die der Stadt Cottbus gehört. Bildungsdezernent Berndt Weiße sagt, dass nur eine radikale Umstrukturierung oder eine Auflösung und Neugründung den Verein aus seiner Krise führen könnte: "Der Name des Vereins ist belastet."

Welchen Weg das KBTC einschlägt, ist noch unklar. Der Landessportbund hatte im Herbst eine Beratung von KBTC, BCC und von Europameister Mario Schulze begonnen. Die Gespräche mit KBTC und BCC sind unterbrochen. Der bisherige Vorsitzende des KBTC, Steve Beier, soll inzwischen zurückgetreten sein.