Bush zu ruinieren droht. Mit dem Wachwechsel geht im Pentagon eine Ära zu Ende. Sechs Jahre hatte die stürmische Amtszeit seines Vorgängers Donald Rumsfeld gedauert. Rumsfelds heikelste Hinterlassenschaft: Der verfahrene Einsatz im Irak, der das Image der USA in der Welt beschädigt hat.

Klare Worte statt Beschönigung
Mit zwei Worten hat Gates klar gemacht, dass es im Irak so wie bisher nicht weitergehen kann. "Nein, Sir", erwiderte er militärisch knapp bei einer Anhörung vor zwei Wochen auf die Frage des Senators Carl Levin, ob die USA den Krieg im Irak gewännen. Für den Verteidigungsminister einer Nation, die sich im Krieg sieht, ist eine derart offene Bestandsaufnahme geradezu unerhört. Zusätzlich warnte Gates davor, dass die US-Politik im Irak zu einem "regionalen Flächenbrand" führen könnte.
Das sind klare Worte nach Jahren der Beschönigung. Sie machen den Unterschied zu Rumsfeld umso deutlicher: Dieser brachte es bei seiner Abschiedsrede im Pentagon fertig, den Irak mit keinem Wort zu erwähnen. Hinter Gates' Offenheit steckt sicherlich Kalkül: Er erwarb sich damit politisches Kapital in der Innenpolitik. Der Senat stimmte seiner Ernennung mit ungewöhnlich großer Mehrheit zu, auch die oppositionellen Demokraten gaben ihm ihre Unterstützung. Fast hatte man den Eindruck, im Senat ein erleichtertes Aufatmen darüber zu vernehmen, dass der Polarisierer Rumsfeld nun weg ist.
Gates' Arbeitsbeginn fällt zusammen mit den Bemühungen des Weißen Hauses, eine neue Strategie für den Irak zu bestimmen. Die Demokraten, die nach ihrem Wahlsieg von Januar an im Kongress die Mehrheit haben, erhoffen sich von ihm klare Worte gegenüber Präsident Bush. Eine abschließende Meinung zu seinen Plänen hat Gates aber noch nicht verkündet. Er machte allerdings klar, dass er im Gegensatz zum Weißen Haus Gespräche mit Iraks Nachbarn Iran und Syrien erwägt und dass er erwartet, dass sich die Zahl der US-Truppen im Irak "dramatisch verringern" wird. Einen Zeitrahmen nannte Gates nicht.
Bis zu seiner überraschenden Nominierung nach der Schlappe von Bushs Republikanern bei der Kongresswahl im November war Gates Mitglied der Baker-Kommission, die in der vorletzten Woche ihre Empfehlungen für einen Strategiewechsel im Irak vorlegte und dabei einen Abzug der Kampftruppen bis Anfang 2008 empfahl. Mit der Baker-Kommission war Gates erst vor wenigen Monaten im Irak, ein weiterer Besuch soll in Kürze folgen.
Neben politischem und militärischem Sachverstand wird der neue Job auch psychologisches Feingefühl verlangen: Letztlich wird Gates einen Ausweg aus dem Irak-Einsatz finden müssen, ohne dass es nach einer Demütigung der Weltmacht USA aussieht. Ein zweites Vietnam will sich das Land ersparen.
Gates kann auf lange Erfahrungen im Sicherheitsapparat der USA zurückblicken. Unter Präsident George Bush senior, dem Vater des jetzigen Präsidenten, war er von November 1991 bis Januar 1993 Chef des Geheimdiensts CIA. Geprägt wurde Gates vor allem durch die politische Auseinandersetzung mit dem Ostblock im Kalten Krieg. Zum US-Geheimdienst kam er bereits 1966. In den 80er-Jahren war er lange Mitglied des Nationalen Sicherheitsrats, er arbeitete damals viel mit der heutigen Außenministerin Condoleezza Rice zum Thema Russland zusammen.

Gates setzt auf Diplomatie
Von Alleingängen hält Gates nicht viel, er setzt auf die traditionelle Waffe der Diplomatie: Reden. "Selbst in den schlimmsten Tagen des Kalten Kriegs haben wir den Dialog mit der Sowjetunion und China fortgeführt, und ich glaube, dass uns diese Gesprächskanäle in manch potenziell schweren Situationen geholfen haben", sagte Gates mit Blick auf den Irak.