Seit den Vernehmungen des britischen Ehepaars Kate und Gerry McCann vor knapp zwei Wochen lägen keine neuen Erkenntnisse vor, die eine erneute Vernehmung rechtfertigen würden, betonte der Generalstaatsanwalt des Bezirks Evora, Luís Bilro Verão, nach portugiesischen Medienberichten vom Donnerstag. Nach Einschätzung britischer Medien wird dadurch eine Wende zugunsten der verdächtigten Eltern immer wahrscheinlicher. Kate und Gerry McCann seien „sehr ermutigt“, dass die portugiesische Justiz sie vorerst nicht mehr vernehmen wolle, erklärte deren Sprecher Clarence Mitchell.

Die Auflagen, die die portugiesischen Ermittler für die McCanns erlassen hatten, blieben aber unverändert in Kraft, da sie weiterhin formell als Verdächtige gelten. Danach darf das Ehepaar zwar frei reisen, muss aber seinen Aufenthaltsort den Behörden in Portugal mitteilen.

Der McCann-Sprecher erklärte, die portugiesischen Behörden hätten auch mitgeteilt, dass weiterhin eine Entführung von Madeleine aus der Ferienwohnung ihrer Eltern am 3. Mai nicht ausgeschlossen werde. Zuvor hieß es in portugiesischen und britischen Medienberichten, die Ermittler würden kaum noch an eine Entführung glauben, sondern davon ausgehen, dass die Eltern Madeleine versehentlich mit einer Überdosis Schlaftabletten getötet und die Leiche beseitigt haben.

Die jetzige Mitteilung von Staatsanwalt Luís Bilro Verão bedeute, dass die McCanns sich wieder darauf konzentrieren könnten, „ein normales Leben“ vor allem mit Blick auf ihre zweijährigen Zwillinge Sean und Amelie zu führen, sagte der Sprecher. „Sie finden das sehr ermutigend, sie sind sehr zufrieden damit, und sie sehen es als Schritt in die richtige Richtung an.“ Die Entscheidung gebe ihnen auch wieder mehr Raum für ihre Kampagne zur Suche nach Madeleine.

Britische Zeitungen spekulierten derweil bereits über einen „Zusammenbruch“ des gesamten Verdachtsfalls gegen die McCanns. Es mehrten sich Hinweise, dass „die herausposaunten DNA-Beweise“ in einem Mietwagen der McCanns unhaltbar seien, berichtete die Zeitung „Daily Mail“. Laut „Sun“ stammten die DNA-Spuren von Windeln der Zwillinge, die mit dem Wagen transportiert wurden, und nicht von Madeleine. Eine Bestätigung gab es für diese Angaben jedoch nicht.