Vor deren Antritt jedoch wird er auf noch unbestimmte Zeit in eine geschlossene psychiatrische Klinik eingewiesen.
Mit diesem Urteil ging die Strafkammer noch über den Antrag der Staatsanwaltschaft hinaus, die eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und die Einweisung in eine Klinik gefordert hatte, jedoch die Möglichkeit sah, beides zur Bewährung auszusetzen. "Dies lehnt die Strafkammer ab, da befürchtet werden muss, dass sich der Angeklagte in Freiheit nach und nach wieder in seine bekannten Verhaltensmuster hineinsteigert", so die Vorsitzende Richterin Cornelia Schönfelder. Diese bestanden darin, wüste Drohungen gegen Behördenmitarbeiter auszustoßen, von denen sich Bernd B. ungerecht behandelt fühlte, und Sprengkörper zu basteln. Das Gericht schloss sich der von der Staatsanwaltschaft vertretenen Auffassung an, dass B. die in seiner Wohnung gefundenen selbst hergestellten "Bomben" tatsächlich zur Explosion bringen wollte. Verteidiger Andreas Suchy hingegen meinte, dass sie nur der Absc hreckung und Drohung dienen sollten. Er forderte eine Freiheitsstrafe in unbestimmter Höhe, die zur Bewährung ausgesetzt werden sollte.
Das Urteil selbst nahm Bernd B. regungslos auf. In Tränen brach er jedoch aus, als Staatsanwalt Christopher Gerhardi forderte, ihm jeglichen Umgang mit Waffen und Feuerwerkskörpern zu untersagen. In diesem Moment, so schien es, brach die Welt des Bernd B. zusammen, die sich im Wesentlichen um diese Dinge drehen.
Zu Beginn des Verhandlungstages hatte das Gericht noch die Nichte des Angeklagten, Claudia Z., als Zeugin vernommen. Diese, in unmittelbarer Nachbarschaft wohnend, besuchte ihren Onkel regelmäßig, um ihm bei alltäglichen Verrichtungen zu helfen, die er aufgrund seiner körperlichen Gebrechlichkeit nicht allein bewältigen konnte. "Seit meiner Kindheit weiß ich, dass sich mein Onkel stark für Waffen und Feuerwerkskörper interessiert, wie es auch schon bei seinem Vater der Fall war", erzählte Claudia Z. So habe er seine Zimmerwände mit Waffen geschmückt. Davon, dass er selbst Sprengkörper "bastelte", habe sie nichts bemerkt. Claudia Z. kannte auch die Vorkehrungen, die Bernd B. zur Sicherung seiner Wohnungstür getroffen hatte. "Er brachte nachts immer eine Holzlatte vor der Tür an, damit niemand eindringen konnte", berichtete si e. Dies tue er, seitdem einmal ein Fremder vor seiner Wohnungstür übernachtet hatte.
Die in den Drohbriefen verwendeten Formulierungen passten laut Claudia Z. nicht zu ihrem Onkel. "Zu mir war er immer freundlich, ich habe ein gutes Verhältnis zu ihm", bekannte sie. Er habe sie nicht in seine Probleme hineingezogen, sie sich aber auch nicht eingemischt.