Leer stehende Geschossbauten laden zu Vandalismus ein, müssen deshalb gesichert oder gleich völlig zugemauert werden. Das Agrarministerium teilte jetzt mit: "In der Nähe vandalisierter oder verrammelter Gebäude will niemand wohnen, so dass die Zerstörung der Dörfer weiter voranschreitet." Zu allem Überfluss sind viele "dorfuntypische" Geschossbauten von kommunalen Wohnungsgesellschaften in völliger Fehleinschätzung der tatsächlichen Bevölkerungsentwicklung nach der Wende modernisiert worden.
Doch von neuem Zuzug kann keine Rede sein. Agrarminister Wolfgang Birthler (SPD) schätzt ein: "Wer die Stadt verlässt, tut dies in erster Linie, um den Traum von den eigenen vier Wänden zu realisieren." Nur kleinteilige, dorftypische Gebäude hätten eine Chance. Die Idee, das Problem dadurch zu bekämpfen, dass Asylbewerber, Spätaussiedler oder Sozialhilfeempfänger in diese leer stehenden Wohnungen eingewiesen werden, sei nur "punktuell" sinnvoll. Laut Birthler zeichnet sich damit keine Lösung ab: "Auf Grund der kurzen Belegungszeiten etwa mit Spätaussiedlern verringert sich die Leerstandsquote nicht dauerhaft. Außerdem steigen Renovierungs- und sonstige Kosten an." Der Minister bekennt: "Ich kann und will es nicht verhehlen, die Klärung dieser Fragen entzieht sich meinen Möglichkeiten." Hier seien "Initia tiven gegenüber dem Bund notwendig". Das Wasser stehe bis zum Hals.
Für Birthler sind "teilweise unerträgliche Schuldenbelastungen" ent standen. Dies habe zu einer für die Kommunen und Wohnungsbaugesellschaften wirtschaftlich und finanziell nicht mehr tragbaren Situation geführt. Seitens des Potsdamer Bauministeriums kann er nicht viel Hilfe erwarten: Zwar sind bis 2009 immerhin 175 Millionen Euro für Wohnungsabriss vorgesehen, und noch einmal 260 Millionen für die Verbesserung des Wohnumfeldes, doch "das Geld muss primär in die Städte fließen", erklärt Bauminister Hartmut Meyer (SPD). Der SPD-Abgeordnete Reinhold Dellmann öffnet den Fokus weiter: Neben der Wohnungsfrage liege das Problem im Leerstand von Schulen, Gaststätten oder ehemaligen Verkaufseinrichtungen. Hinzu kommen noch die historisch wertvollen zerfallenden Schlösser und Herrenhäuser. Dellmann: Diese Gebäude sind in der Regel schwer für eine neue Nutzung vermittelbar, aber ortsbildprägend. Das Bildungsministerium freundet sich schon mit dem Gedanken an, dass leere Schulen zum Teil jedenfalls einfach abgerissen werden müssen.

Hintergrund Gebäudebörse
 Zur Lösung des Leerstandsproblems auf dem Lande verweist der SPD-Abgeordnete Dellmann auf das sächsische Beispiel einer "Ländlichen Gebäudebörse". Mit Unterstützung des Dresdner Umweltministeriums existiere seit Februar 2001 im Internet ein Portal, in dem leer stehende dörfliche Raumsubstanz eventuellen Nutzern angeboten werde. Minister Birthler: Dieses Internetportal stehe "jedem Eigentümer einer Immobilie bundesweit gegen Zahlung einer Gebühr offen".