Auch Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD) räumte ein, dass einiges schiefgelaufen ist und das Image des Hauses gelitten hat. Das "Tietz" werde trotz der sehr guten Arbeit der einzelnen Einrichtungen in der Öffentlichkeit "nicht als Kulturmacher, Ideengeber, kreativer Ort wahrgenommen, sondern eher als Problemfeld erlebt". Helfen soll eine Neuaufstellung.

2004 noch hatte die Stadt die Zusammenführung von Bibliothek, Volkshochschule und Naturkundemuseum sowie Neuer Sächsischer Galerie in dem ehemaligen Warenhaus als Unikat in Deutschland gepriesen. Wegen der Haushaltskonsolidierung mussten seit 2010 aber mehrere Hunderttausend Euro gespart werden. Die Stadt malte dem kommunalen Eigenbetrieb sogar ab 2014 die Zahlungsunfähigkeit aus - angesichts von 7,8 Millionen Euro Zuschuss bei 1,4 Millionen Euro Einnahmen pro Jahr.

Öffnungszeiten wurden reduziert, Angebote gestrichen, die Werbung zurückgefahren. Die Besucherzahl sank im Vergleich zu 2010 um 38 000 auf 859 000 im vergangenen Jahr, die Bibliothek verlor im ersten Halbjahr 2014 acht Prozent ihrer Leser. Nur ins Naturkundemuseum kamen im Vorjahr fast 4300 Besucher mehr als 2012. "Durch die Sparmaßnahmen verkommt das gesamte "Tietz" schimpfte Curt Bertram, Vorsitzender des Fördervereins der Bibliothek.

Der Verein hat mehr als 14 000 Unterschriften zur Rettung der Einrichtung vor dem Rotstift gesammelt. Er kritisierte, dass Gegenkonzepte aus dem Haus oder von externen Fachleuten offenbar in der Versenkung verschwanden.

Grünen-Stadtrat Thomas Lehmann sieht dringenden Handlungsbedarf etwa bei der digitalen Aufrüstung von Bibliothek und Volkshochschule sowie einer neuen Dauerausstellung in der Naturkunde. "Wenn man das Haus nach vorn bringen will, muss man investieren." In leere Läden sollten Vereine einziehen und ein Café müsse wieder her, forderte er auch die städtische Grundstücksgesellschaft auf.