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Keine Hürde: Tischtennis mit künstlichem Kniegelenk

FOTO: Ida Kretzschmar
Elsterwerda. Der 78-jährige Wilfried Rentzsch aus Grünewalde (Landkreis Oberspreewald-Lausitz) gibt nach einer Endoprothesen-Operation in Elsterwerda noch einmal sportlich Gas.

Für Chefarzt Frank Hoffmann ist es eigentlich kein besonderer Fall. Immerhin werden im Endoprothetikzentrum Elsterwerda des Elbe-Elster-Klinikums jährlich mehr als 400 künstliche Gelenke eingesetzt. "Aber es ist ein besonders schöner Fall", unterstreicht der Chefarzt der Chirurgie. Nicht nur, weil er das künstliche Gelenk ziemlich oft in Aktion erlebt und überrascht ist, welche Schnelligkeit es erlaubt, um ihm beim Tischtennis den Schweiß auf die Stirn zu treiben. Er ist beeindruckt, wie der Mann, dem das Knie gehört, sportlich noch einmal nach der Operation durchstarten konnte. Immerhin wird Wilfried Rentzsch im nächsten Jahr 80 Jahre alt. Was den Mann aus Grünewalde nicht daran hindert, gegen den fast 30 Jahre jüngeren Frank Hoffmann an der Tischtennisplatte anzutreten. Der Chirurg stammt ebenfalls aus dem kleinen Ort bei Lauchhammer und hat sich wie Rentzsch anfangs dem Handball und inzwischen dem TischtennisSport verschrieben. Beide spielen im gleichen Verein. "Mal gewinnt er, mal ich", lacht Frank Hoffmann.

Vor fünf Jahren allerdings war daran nicht einmal zu denken. Wilfried Rentzsch plagten große Schmerzen. Er konnte kaum mehr richtig laufen. Die Untersuchung des Arztes und Röntgenaufnahmen zur Beurteilung der knöchernen Strukturen hatten den Verschleiß des linken Kniegelenks bestätigt.

Rentzsch gehörte eigentlich zu jenen, die alles für die Vorbeugung von Knieproblemen getan hatten. Übergewicht? Fehlanzeige! Auch die Muskeln, um Gelenke zu stabilisieren und zu stützen, waren in Form nach all den Jahren aktiven Sports. Der Gelenkverschleiß aber ließ sich nicht völlig aufhalten. Mit Mitte 70 war er in einem Alter, in dem deutschlandweit die meisten künstlichen Gelenke eingesetzt werden. Alle anderen Therapiemöglichkeiten waren ausgeschöpft. Weder Krankengymnastik noch Medikamente verhinderten, dass die Schmerzen immer unerträglicher wurden und die Tischtennis-Platte in weite Ferne rückte.

"Wir raten zur Operation und zum Einsatz eines künstlichen Gelenks, wenn Mobilität und Lebensqualität entscheidend eingeschränkt sind. Wer nicht mal mehr 500 Meter bis zum nächsten Supermarkt laufen kann und sich nur noch mit permanenten Schmerzmitteln aufrecht hält, wird sich dafür entscheiden, das verschlissene Gelenk austauschen zu lassen", sagt er. Können Gelenke durch konservative Therapien nicht mehr erhalten werden, hat sich das Endoprothetik-Zentrum am Krankenhaus Elsterwerda darauf spezialisiert, künstliche Gelenke, sogenannte Endoprothesen, nach dem aktuellsten medizinischen, pflegerischen und physiotherapeutischen Standard einzusetzen. Beim Einsatz einer Total- oder Teilprothese eines Kniegelenks werden die zerstörten Gelenkflächen entfernt und durch künstliche ersetzt.

Chefarzt Frank Hoffmann ist seit 2007 Chefarzt der Chirurgie im Krankenhaus Elsterwerda des Elbe-Elster Klinikums. Hier hat er das Endoprothetikzentrum aufgebaut, welches durch die Clarcert GmbH zertifiziert wurde und für Qualitätssicherung steht. Zuvor war der Facharzt für Chirurgie, Unfallchirurgie und Spezielle Unfallchirurgie am Klinikum Niederlausitz als leitender Oberarzt tätig. Sein Medizinstudium absolvierte Frank Hoffmann an der Humboldt Universität Berlin.

Die Kniegelenke müssen dabei nicht mehr großflächig aufgeschnitten werden, da zunehmend neue Techniken entwickelt wurden, Kniegelenkerkrankungen und -verletzungen "durchs Schlüsselloch" behandeln zu können. "Moderne Kniegelenksprothesen halten heutzutage zwölf bis 15 Jahre", sagt Chefarzt Hoffmann, der sich bereits als Oberarzt im Klinikum Niederlausitz zum Spezialisten auf diesem Gebiet entwickelte. Fast alle Patienten erleben danach eine deutlich verbesserte Lebensqualität, weil sie damit von Schmerzen befreit oder diese stark reduziert werden und ihnen der Eingriff eine bessere Bewegungsfähigkeit verschafft. Die in Elsterwerda genutzten hochwertigen Implantate zeichnen sich durch eine lange Lebensdauer aus. "Wir nutzen Operationsmethoden, die das Gelenk reparierten, ohne Weichteile und Muskulatur zu beeinträchtigen. Das erlaubt nach dem Eingriff eine schnelle Mobilisierung der Patienten", unterstreicht der Chefarzt. Die Behandlung werde von einem individuell abgestimmten Schmerzmanagement begleitet. Alle Patienten stellen sich vor der Operation im Zentrum vor. Sie werden auf Besonderheiten hingewiesen und interdisziplinär betreut. Auf Qualitätssicherung werde großen Wert gelegt. Doch während Hüftoperationen in der Endoprothetik zu den erfolgreichsten Operationen gehören, nur übertroffen von der künstlichen Linse, werde auf Ärztekongressen immer wieder konstatiert, dass bei zehn bis 15 Prozent der Knie-Patienten Beschwerden zurückbleiben können.

Umso mehr ist Frank Hoffmann zufrieden, dass sich Wilfried Rentzsch seit Jahren wieder völlig schmerzfrei und stabil bewegen kann. Was in Elsterwerda allerdings auch nicht gerade ein besonderer Fall ist. "Zum Glück betrifft das die meisten unserer Patienten", freut sich der Chefarzt. Alle Sportarten sind nach einer erfolgreichen Operation wieder möglich: Kegeln, Schwimmen, Radfahren, Skifahren, Tanzen, zählt der Chefarzt auf und fügt lachend hinzu: "Da bin ich froh, dass ich es mit ihm nur im Tischtennis aufnehmen muss."

Das Krankenhaus Elsterwerda ist neben Finsterwalde und Herzberg ein Standort der Elbe-Elster Klinikum GmbH. Als Klinikum der gehobenen Grundversorgung stehen eine qualitativ hochwertige Medizin, moderne Pflegemethoden und ein systematisches Qualitätsmanagement im Mittelpunkt des Handelns. Jährlich werden im Elbe-Elster Klinikum rund 40 000 stationäre und ambulante Patienten versorgt. Mit etwa 1000 Beschäftigten ist das Klinikum der größte Arbeitgeber in der Region und trägt entscheidend zur Lebensqualität im Elbe-Elster-Land bei. Können Gelenke durch konservative Therapien nicht mehr erhalten werden, hat sich das Endoprothetikzentrum (EPZ) am Krankenhaus Elsterwerda des Elbe-Elster Klinikums darauf spezialisiert, diese Gelenke durch künstliche zu ersetzen. Seit Jahren ist das EPZ in Elsterwerda dabei eine renommierte Adresse in Südbrandenburg.

Gesundheits-ABC

Narkose: Sie beschreibt die gezielte Betäubung des Körpers oder bestimmter Körperteile, um das Schmerzempfinden auszuschalten. Sie ist für die meisten operativen Eingriffe notwendig. Die Allgemeinanästhesie wird umgangssprachlich als Vollnarkose bezeichnet. Dabei wird über einen bestimmten Zeitraum der gesamte Körper "lahmgelegt". Das Bewusstsein, das Schmerzempfinden und die Muskelspannung werden dabei durch verschiedene Medikamente abgeschaltet. Der Patient kann unter Vollnarkose nicht geweckt werden. Im Unterschied dazu umfasst die Regionalanästhesie nur einzelne Regionen des Körpers und beeinträchtigt nicht das Bewusstsein. Die Operation des Kniegelenkes erfolgt im Elbe-Elster Klinikum in den meisten Fällen als Regionalanästhesie, da diese Methode schonender vor allem für ältere Patienten ist. Über einen Schmerzkatheter kann nicht nur die Empfindungslosigkeit und Schmerzfreiheit während einer Operation hergestellt, sondern auch nach dem Eingriff eine effektive Schmerztherapie weitergeführt werden.