Doch dazu kam es nicht. Laut Staatsanwaltschaft soll Dürrschmidt zwischen 2004 und 2007 fünfmal im Internet auf Seiten mit Kinderpornografie unterwegs gewesen sein. Er bestreitet das und hat einen Strafbefehl über eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen abgelehnt. Deshalb wird seit Mitte Februar am Amtsgericht Senftenberg gegen ihn verhandelt.Schon im Dezember hatte er angekündigt, seine Unschuld belegen zu können. Zu fraglichen Tatzeiten sei er nachweislich Hunderte Kilometer von seinem Haus in Großräschen entfernt gewesen, wo der PC steht, von dem aus die Kinderpornoseiten angesteuert wurden. Wer immer zur fraglichen Zeit am Rechner saß, er sei es nicht gewesen. Da in seinem Haus selten eine Tür verschlossen war, hätten viele Zugang zu seinem Büro gehabt.Am Mittwoch wurden nun vier Zeugen gehört, die von Dürrschmidts Verteidigern benannt worden waren und ihn entlasten sollten. Doch keiner davon konnte ihm ein klares Alibi für einen relevanten Zeitpunkt liefern.Dürrschmidts Schwester konnte sich nicht mehr genau erinnern, an welchem Oktoberwochenende ihr Bruder 2004 zu Besuch in der heimatlichen Pfalz war. Am 19. Januar 2007 sei er "im Laufe des Abends" dort eingetroffen. Am Vormittag dieses Tages war Dürrschmidts heimischer PC laut Gutachtern des Landeskriminalamtes kurz in Betrieb gewesen.Nachträgliche QuittungWenig entlastend für den Landrat waren auch die Angaben eines Bekannten aus der Pfalz, den die Eheleute Dürrschmidt im Juni 2006 besucht und mit dem sie in einem Restaurant gegessen hatten. "Die Quittung über das Essen ist erst etwa eineinhalb Jahre später ausgestellt worden", sagte der Zeuge dem Gericht. Anlass sei eine Anfrage Dürrschmidts gewesen. Er habe aber keine Quittung mehr dafür gefunden, so Dürrschmidts Bekannter aus der Pfalz. Deshalb habe er seine Frau zu dem Wirt geschickt, damit der nachträglich den Beleg ausstellt.Das Datum sei auf die Quittung gekommen, weil Dürrschmidt danach gefragt habe. Ob das Essen in der Pfalz wirklich an diesem Tag stattgefunden hat, konnte weder Dürrschmidts Bekannter noch der Gastwirt sagen, der ebenfalls nach Senftenberg gekommen war. Auch der 11. Juni 2006 ist ein Datum, das in dem Verfahren eine Rolle spielt.Dass Dürrschmidt und seine Frau selten die Türen in ihrem Haus verschließen, bestätigte hingegen die Großräschener Pfarrerin. Sie versicherte auch, dass der Landrat am 4. Dezember 2005 bei einem Weihnachtskonzert anwesend war. Etwa zehn Minuten nach 20 Uhr war es zu Ende. Danach, so die Pfarrerin auf Nachfrage, habe sie Dürrschmidt nicht mehr gesehen. Vom Konzertort bis zum Haus des Landrates, sind es zehn Minuten Fußweg. Um 20.44 Uhr ging laut Gutachten der Rechner in Dürrschmidts Büro an.Drohender JobverlustFür den seit Dezember vorigen Jahres vom Amt suspendierten Landrat geht es in dem Verfahren nicht nur um eine Strafe, sondern auch um seine politische Existenz. Denn parallel zum Strafverfahren wurde vom Innenministerium des Landes Brandenburg ein Disziplinarverfahren gegen ihn eingeleitet, das bis zu einem rechtskräftigen Urteil ruht.Wenn Beamte, auch Wahlbeamte wie ein Landrat, wegen einer vorsätzlichen Straftat zu einem Jahr Haft oder mehr verurteilt werden, sind sie laut Landesbeamtengesetz automatisch ihren Job los. Liegt die Strafe jedoch darunter, muss dann im Rahmen des Disziplinarverfahrens geprüft werden, ob der Beamtenstatus mit der Verfehlung noch vereinbar ist. Im dafür anzuwendenden Landesdisziplinargesetz heißt es dazu, dass ein Beamter, der "das Vertrauen seines Dienstherrn oder der Allgemeinheit endgültig verloren hat", aus dem Dienst zu entfernen sei. Delikte in Zusammenhang mit Kinderpornografie gelten im Allgemeinen als K.o.-Kriterium. Der Prozess in Senftenberg wird am Freitag kommender Woche fortgesetzt.