Denn eigentlich beschweren sie sich sehr ungern. Wie eine Umfrage des evangelischen Monatsmagazins "chrismon" ergab, würden sich nur 40 Prozent bei den Nachbarn über laute Musik beklagen, lediglich zwölf Prozent über Grillgeruch und nur sieben Prozent über zu lauten Sex in der Wohnung nebenan.

Das klingt relativ friedfertig, könnte aber auch auf die Häufigkeit der störenden Ereignisse hinweisen. So hat Musikhören und Grillen den Sex als Freizeitbeschäftigung in Deutschland längst abgehängt. Außerdem können viele sich gar nicht mehr beschweren, weil sie ihre Kraft und Zeit schon zum Jammern brauchen. Denn wer all seinen Freunden und Bekannten stundenlang vorheult, wie laut die Nachbarn sind, ist für den direkten Kontakt mit dem Verursacher der Störung bereits zu erschöpft.

Zudem hat Jammern einfach mehr Zukunft. Denn es kann unendlich fortgesetzt werden - während Beschwerden manchmal ein Problem tatsächlich lösen können. Vielleicht sogar im kultivierten Ton in einem Vier-Augen-Gespräch. Und das wäre für manche Deutschen wohl schon zu viel Veränderung.