Dieses Fazit hat gestern Aufbau-Ost-Minister Wolfgang Tiefensee (SPD) aufgrund einer Vergleichsstudie in Berlin gezogen.
Zehn Rathäuser, von Rostock bis Gera, Berlin bis Erfurt, hatten Geld zusammengeworfen, um künftig auch mit handfesten Daten belegen zu können, dass sie besser sind als Riga, Brno (Brünn), Bratislava (Pressburg) oder Wroclaw (Breslau). Hintergrund: Nationale wie internationale Investoren wissen noch zu wenig über die Vorteile des deutschen Ostens und halten Regionen wie Südpolen, das Baltikum oder auch Tschechien für dynamischer.
Die Argumente lieferte nun die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG. In fast allen Kategorien sind die ostdeutschen Städte im Durchschnitt besser als die Konkurrenz aus den Nachbarländern, teilweise um ein Vielfaches. Die Zahl der Patentanmeldungen liegt fünf Mal höher pro Einwohner, die Ausgaben für Forschung und Entwicklung um den Faktor Vier.
Es gibt an den ostdeutschen Standorten doppelt so viele Menschen mit hohem Bildungsabschluss, drei Mal so viele Autobahnkilometer und ein fünf Mal so großes Angebot an Gewerbeimmobilien. Die Transportkosten sind rund 50 Prozent niedriger, die Telefonkosten um über 100 Prozent und ebenso der Aufwand für Sicherheitspersonal. Bei der Zuverlässigkeit der Stromversorgung herrschen geradezu paradiesische Zustände. In Ost- und Mitteleuropa gibt es 24-mal häufiger Störungen als zwischen Darß und Vogtland. Außerdem wird in den ostdeutschen Städten mehr für Kultur ausgegeben und die Umweltqualität ist besser.
Allerdings: Die Durchschnittszahlen verdecken, dass einige Städte in den neuen Ländern erheblich schlechter sind und dass einzelne Metropolen in Osteuropa auch schon gute Werte erreichen. Die Verfasser der Studie räumten zudem ein, dass sie harte Standortfaktoren wie das Lohnniveau, die Steuerbelastung oder auch die Bürokratie nicht untersucht haben. Diese spielten letztlich nicht die überragende Rolle, sagte KPMG-Direktor Andreas Dressler.
Tiefensee will die Vorteile des Ostens nun noch stärker bewerben als bisher und mahnte auch die Städte, dafür zusammenzuarbeiten. Ob dies so einfach geht, ist allerdings fraglich. In der Studie wurden für die deutsche Seite nur Durchschnitts-, Maximal- und Minimalwerte genannt, ohne die dazugehörenden Städtenamen - aus Gründen der Standortkonkurrenz.