In der Abtei an der deutsch-polnischen Grenze wird der Grundsatz des Zisterzienserinnenordens - "Ora et labora" (bete und arbeite) - seit 1234 ohne Unterbrechung am Leben erhalten.
Einen Teil des großen Anwesens haben die Schwestern aber längst abgegeben, weil sie mit der Unterhaltung von Häusern und Flächen einfach überfordert waren. Das Internationale Begegnungszentrum (IBZ) St. Marienthal hat sich nach der Wende der ungenutzten Wirtschaftsgebäude angenommen und immerhin rund 60 Prozent davon inzwischen wieder herausgeputzt. Rund 13 Millionen Euro habe die Bildungseinrichtung seit ihrer Gründung 1992 in St. Marienthal investiert, blickt IBZ-Direktor Michael Schlitt zurück. Vor allem Stiftungen haben Geld für die Bauvorhaben gegeben, so die Deutsche Bundesstiftung Umwelt, die Gemeinnützige Hertie-Stiftung, die Allianz-Umweltstiftung oder die Robert-Bosch-Stiftung.

Verwandlung durch Sanierung
Sechs Gebäude wurden bisher komplett saniert, zwei weitere Häuser zumindest teilweise. Der einstige Kuhstall etwa verwandelte sich in den Speisesaal. Zum Gästehaus wurde die alte Getreidemühle behutsam umgebaut. In der ehemaligen Wagenremise öffnete im vergangenen Jahr das Haus der Familie. Das Begegnungszentrum hat mittlerweile knapp 100 Betten in Gästezimmern und 18 Unterkünfte mit einfachem Standard zu bieten. Die Besucher, die im Kloster übernachten, sind größtenteils Teilnehmer von Tagungen und Seminaren. Etwa 170 Veranstaltungen organisiert die Bildungseinrichtung jährlich.
Dass ihre Arbeit anerkannt wird, beweist nicht nur der wachsende Zuspruch. Rund
14 000 Übernachtungen wurden im vergangenen Jahr gezählt, etwa 2000 mehr als im Jahr zuvor, berichtet Schlitt. Im Dezember erhielt das Begegnungszentrum sogar den sächsischen Innovationspreis für Weiterbildung, der 2002 erstmals vom Freistaat vergeben wurde. Bei gut 50 Prozent liege derzeit die Auslastung der Gästezimmer, sagt Schlitt recht zufrieden. Etwa ein Fünftel der Gäste sind Polen und Tschechen. Nur rund fünf bis zehn Prozent der Übernachtungen werden bislang von Urlaubern gebucht, die beispielsweise auf dem Oder-Neiße-Radweg nach Marienthal kommen.
Der Stiftungsdirektor hofft auf die Anziehungskraft des Berzdorfer Sees, der gegenwärtig aus einem ehemaligen Braunkohletagebau südlich von Görlitz entsteht. Das neue Gewässer werde mit Sicherheit mehr Touristen anlocken, glaubt Schlitt.

Pläne für unsanierte Gebäude
Unterdessen bereitet sich das Begegnungszentrum auf neue Bauprojekte im Kloster vor. In diesem Jahr werden der West- und Südflügel der alten Brauerei in Angriff genommen. Die ehemalige Tischlerei soll zur Werkstatt umgebaut werden. Für beide Vorhaben rechnet der Direktor mit Kosten von rund 560 000 Euro. Pläne gibt es auch schon für die anderen, noch unsanierten Gebäude. Was mit den früheren Ställen für Pferde und Kälber werden soll, will Schlitt jedoch erst verraten, wenn die Ideen spruchreif sind. Internet: www.ibz-marienthal.de
www.kloster-marienthal.de