Und fast ebenso spannend wie der eigene Parteitag wird für Angela Merkel wohl der an diesem Sonnabend und Sonntag in Frankfurt vorausgehende Konvent der FDP werden. Leipzig, da klingelt es bei vielen: 2003 gab sich die Union in der Heldenstadt ein extrem am Markt orientiertes Programm in Abgrenzung zur SPD. Acht Jahre danach ist die CDU nicht mehr dieselbe Partei. Angela Merkel, einst Radikalreformerin, hat die Union umgekrempelt, unter ihrer Führung haben die Christdemokraten manche Kehrtwende hingelegt.

In Leipzig 2011 werden neue hinzukommen. So wollen sich die 1001 Delegierten zu Mindestlöhnen bekennen. Es gehe nur noch um die Frage des Wie, meinte Gröhe. Die christliche Arbeitnehmerschaft (CDA) verlangt die Einführung einer allgemeinen Lohnuntergrenze, „die sich am von den Tarifpartnern festgelegten Mindestlohn in der Zeitarbeit orientiert“. Merkel möchte hingegen Untergrenzen nur nach Regionen und Branchen. Durchaus möglich, dass die Kanzlerin mit ihrer Position bei einer Kampfabstimmung unterliegt. Das wäre dann ein später Sieg des Arbeitnehmerflügels nach Merkels neoliberalem Schwenk 2003. Und eine Blamage für die Kanzlerin.

Auch in der Bildungspolitik droht eine hitzige Diskussion. Allein 1600 Anträge beschäftigen sich mit diesem Thema, das ist Rekord. Der Leitantrag dazu wurde nach vielen Protesten auf den zuvor durchgeführten Regionalkonferenzen entschärft. Das Ende des dreigliedrigen Schulsystems soll nun doch nicht gleich eingeläutet werden, sondern ein zweigliedriges Schulsystem mit Gymnasium und Oberschule wird lediglich als wünschenswert angesehen.

Beim Thema Europa hofft die Parteispitze indes, dass alle Gegenanträge zum Leitantrag, die laut Gröhe „auf einen nicht freiwilligen Austritt“ eines Euro-Landes hinauslaufen, keine Mehrheit finden. Sicher ist das nicht. Zu guter Letzt: Auch das Betreuungsgeld könnte auf die Tagesordnung rutschen, nachdem die CDU-Frauen vehement dagegen Front gemacht haben.

Das liberale Treffen in Frankfurt ist hingegen ein Sonderparteitag, der sich eigentlich nur um die Bildungspolitik drehen sollte, weil man im Mai in Rostock nicht mehr genug Zeit dafür hatte. Diesmal ist der FDP der Mitgliederentscheid über die Euro-Rettung dazwischen gekommen. Er hängt über der ganzen schwarz-gelben Koalition wie ein Damoklesschwert. Und damit auch über der Kanzlerin. Für die Debatte über dieses Thema ist der ganze Samstag vorgesehen, mehr als sechs Stunden.

Jetzt den Hilfen zustimmen, aber es künftig nicht mehr zu solchen Situationen kommen lassen, das ist die Linie, mit der Parteichef Philipp Rösler die Euro-Kritiker um den Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler einfangen will.

Angesichts dieser spannenden Debatte dürfte das von vielen ursprünglich erwartete Scherbengericht über die neue Führung wohl ausbleiben. Die hat in den Ländern Wahlniederlagen in Serie produziert, zuletzt aber immerhin einen kleinen Steuersenkungskompromiss mit CDU und CSU erreicht. Den will Rösler verteidigen und generell an alle appellieren, sich innerparteilich nicht zu zerfleischen.

Die Botschaft des seit einem halben Jahr amtierenden Vorsitzenden werde lauten, die Krise durchzustehen und zu kämpfen, verlautete es aus seinem Umfeld.