Mit ihrem waghalsigen Protest am Olympia-Park in Peking unweit des Nationalstadions wollten sie ihrerseits verhindern, dass das Schicksal der Tibeter noch weiter in Vergessenheit gerät. "Eine Welt, ein Traum, befreit Tibet" stand in Abwandlung des Mottos der Spiele auf einem langen weißen Banner geschrieben, das die Kletterer an einem gut 40 Meter hohen Lichtmasten anbringen konnten. Ein anderes verkündete: "Tibet wird frei sein." Es dürfte nicht die letzte Aktion gewesen sein, mit der ausländische Gruppen die Spiele als Plattform nutzen, um Druck auf Olympia-Gastgeber China auszuüben.

Dialog ohne Sinn
Die Lage in dem streng abgeschotteten Tibet, wo chinesische Sicherheitskräfte jedes Aufbegehren im Keim ersticken, war seit Wochen immer mehr in den Hintergrund gerückt. Der mit großen Hoffnungen begleitete Dialog der Unterhändler des Dalai Lama mit Vertretern der chinesischen Führung macht keine Fortschritte. Die Exiltibeter stellen den Sinn schon grundsätzlich infrage. Eine Fortsetzung des Dialogs im Herbst macht Peking davon abhängig, ob es Störungen der Spiele - solche wie am Mittwoch - geben sollte. Obwohl die "Studenten für ein freies Tibet" dahinter steckten, wird das religiöse Oberhaupt der Tibeter persönlich verantwortlich gemacht.

Sympathie ohne Konsequenz
Zwar genießen der Dalai Lama und das tibetische Volk im Ausland große Sympathien, doch lassen immer mehr Politiker erkennen, dass sie es sich wegen Tibet keineswegs mit Pekings Führern verscherzen wollen. Dafür ist die aufstrebende asiatische Macht insgesamt zu wichtig.
Die tibetischen Unterhändler beklagen, dass ihr seit 2002 erfolglos verlaufender Dialog mit der chinesischen Regierung nur dazu dient, westliche Kritik abzuwehren. Wie jüngst aus der chinesischen Regierung verlautete, werde sie mit dem Dalai Lama "niemals über die Zukunft Tibets verhandeln", höchstens über seine eigene Zukunft.
(dpa/ta)