Der Flugplatz Bautzen als Stätte der Begegnung zwischen örtlicher Polit- und deutschlandweiter Wirtschaftsprominenz - so sehen ihn seine Befürworter gern. Und dennoch gibt es im Landkreis Bautzen auch Stimmen, die sich kritisch zu seinen Perspektiven äußern. Immerhin bezuschusst der Landkreis den Flugplatz mit jährlich 160 000 Euro. Zu viel Geld, das die öffentliche Hand auf die Dauer ausgibt, meint insbesondere die Fraktion SPD/Die Grünen im Bautzener Kreistag.
"Wir wollen den Flugplatz nicht schließen, aber diejenigen, die am meisten von ihm profitieren, sollten auch einen Beitrag zu seiner Finanzierung leisten", gab deren Vorsitzender Roland Fleischer schon mehrfach im Kreistag zu bedenken. Eine Forderung, der sich letztendlich die Mehrheit der Abgeordneten anschloss und damit eine europaweite Ausschreibung von Anteilen an der Betreibergesellschaft auf den Weg brachte.
Nunmehr, nach dem Ende der Ausschreibungsfrist, muss ein ernüchterndes Fazit gezogen werden: "Unser Ziel, einen neuen Partner für die Gesellschaft zu gewinnen, haben wir nicht erreicht", so Michael Pilz. Die überregionale Resonanz war gleich null - trotz gezielter Ansprache möglicher Interessenten. Einzig eine Gruppe von Vertretern der regionalen Wirtschaft bekundete Interesse. "Ihre Bewerbung konnte aber zunächst nicht berücksichtigt werden, da sie nicht den Ausschreibungskriterien entsprach", erklärt der Geschäftsführer. "Dennoch halten wir an unserem Ziel fest", betont Michael Pilz, der auch als Finanzdezernent des Landratsamtes Bautzen fungiert.
Man wolle Gespräche mit der Gruppe aufnehmen, um zu einem Konzept zu gelangen, das den Vorstellungen beider Seiten entspricht. Maßgeblich an der Formierung der Gruppe beteiligt war der Bundesverband der Mittelständischen Wirtschaft (BVMW), dessen Regionalvorsitzender Wilfried Rosenberg nach eigenem Bekunden "mit dem derzeitigen Stand der Dinge auch nicht so richtig glücklich" ist. Die Gruppe habe kein den Kriterien der Ausschreibung entsprechendes Angebot abgeben können. "Infrastruktur ist in erster Linie eine Angelegenheit des Staates", erklärt er. "Wenn sich private Unternehmer daran beteiligen, dann muss dies natürlich auch wirtschaftlich darstellbar sein." Man sei aber weiterhin an der Zukunftssicherung des Bautzener Flugplatzes interessiert und für Gespräche offen.
Vor Michael Pilz steht nunmehr zunächst die Aufgabe, die Bautzener Kreisräte von der Notwendigkeit weiterer Investitionen in den Flugplatz zu überzeugen. "Die derzeit favorisierte abgespeckte Variante, die nur das unbedingt Nötige enthält, kostet 2,2 Millionen Euro", erklärt er. Außerdem müsse man gegenüber dem Wirtschaftsministerium die Notwendigkeit der Investitionen nachweisen, um Fördermittel erhalten zu können. "Wir lassen uns von dem Ausschreibungsergebnis nicht entmutigen und setzen weiterhin darauf, die Zukunft des Flugplatzes zu sichern", so der Geschäftsführer. Schließlich könne man den Wert von Gesprächen wie dem des Landrates mit dem Siemens-Chef nicht in Euro und Cent bemessen.

Zum Thema Der Bautzener Flugplatz
  Bautzens Flugplatz ging ebenso wie die Flugplätze Kamenz und Rothenburg aus einem früheren Militärflugplatz hervor
Er verfügt über eine 2200 Meter lange und 50 Meter breite Lan debahn; theoretisch könnten hier Flugzeuge von der Größe einer Boeing 737 landen
Die vorgesehene Investition von 2,2 Millionen Euro umfasst die Erneuerung der Landebahn, die Errichtung einer Flugplatzbefeuerung (für Nachtlandungen) sowie die Erneuerung der Feuerwehrtechnik
Ursprünglich sollten auch der Tower erneuert sowie ein Abfertigungsgebäude errichtet werden, wovon der Landkreis Bautzen jedoch aus finanziellen Gründen zunächst Abstand nehmen will
15 Prozent der jährlich etwa 17 000 Flugbewegungen dienen dem geschäftlichen Flugverkehr, Tendenz steigend
Der Landkreis Bautzen ist 100prozentiger Gesellschafter der Betreibergesellschaft. Im Zuge der Ausschreibung sollten 49 Prozent abgegeben werden.