Nach wochenlangem Zögern ist die Entscheidung gefallen: Der Hubschrauberträger "Wladiwostok" bleibt im Hafen der westfranzösischen Stadt Saint-Nazaire liegen. Das hochmoderne Kriegsschiff vom Typ Mistral wird nicht an Russland ausgeliefert, das bereits einen Teil bezahlte. "Der Präsident ist der Ansicht, dass die Lage in der Ostukraine die Auslieferung noch immer nicht erlaubt", teilte der Elysée-Palast am Dienstag mit. "Bis auf Weiteres" gilt die Entscheidung, mit der sich François Hollande auch dem Druck seiner Bündnispartner beugte. Nach der Annexion der Krim im März hatte sich Frankreich noch geweigert, den Waffendeal mit der Lage in der Ukraine in Verbindung zu bringen.

Denn das 1,2 Milliarden Euro schwere Geschäft, das noch Hollandes Vorgänger Nicolas Sarkozy eingefädelt hatte, galt als Erfolg für die französische Rüstungsindustrie. Die beiden für Russland bestimmten Kriegsschiffe "Wladiwostok" und "Sewastopol" können jeweils bis zu 450 Soldaten, 16 Hubschrauber und 60 gepanzerte Fahrzeuge transportieren - mit Landungsbooten auch an die ukrainische Schwarzmeerküste.

"Keine Waffen an einen Aggressor"

Und genau das störte die Verbündeten Frankreichs, vor allem die USA und die osteuropäischen Länder. "Es kann nicht sein, dass wir Waffen einem Aggressor liefern", hatte der Vorsitzende der konservativen EVP-Fraktion im Europaparlament, Manfred Weber, einen Verzicht auf den Mistral-Deal gefordert. Doch Hollande zögerte. Im September legte er das Geschäft erst einmal auf Eis - in der Hoffnung, dass in der Ukraine wieder Ruhe einkehrt.

Aber davon ist das Land weit entfernt. "Die Russen kannten die Frist. Sie hätten positive und befriedende Signale an die Ostukraine senden können. Sie haben es nicht gemacht", zitierte der "Figaro" aus französischen Regierungskreisen. Ursprünglich sollte das erste Kriegsschiff Mitte November übergeben werden. Für den 14. November hatte der russische Vize-Regierungschef Dmitri Rogosin schon einmal vorschnell eine Zeremonie in Saint-Nazaire angekündigt. Ende November sollte eine von russischer Seite gesetzte Frist ablaufen.

Russland droht mit Geldbuße

Nun droht Russland mit juristischen Schritten und einer Geldbuße. Die rund 400 russischen Soldaten, die seit dem Sommer in Saint-Nazaire ausgebildet werden, könnten schon nächste Woche in die Heimat zurückkehren. Für Frankreich steht sein Ruf als Waffenlieferant auf dem Spiel. Denn neben dem Mistral hat das Land auch sein Kampfflugzeug Rafale und Kampfhubschrauber im Angebot. Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian reiste deshalb am Dienstag nach Warschau, um dem NATO-Partner Rückendeckung zu geben und nebenbei Werbung für die eigene Rüstungsindustrie zu machen.

Mit dem Kunden Russland dürfte das Hin und Her weitergehen. Auch wenn die Auslieferung der "Wladiwostok" auf Eis liegt, ist für 2016 schon die Lieferung des zweiten Schiffes, der "Sewastopol", geplant. Die lief vergangene Woche schon einmal vom Stapel. Ob sie aber irgendwann in Russland ankommen wird, ist fraglich.