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| 22:47 Uhr

Justiz
Mordprozess ohne Öffentlichkeit

Cottbus. Das Verfahren gegen den mutmaßlichen Mörder von Gerda K. aus Cottbus zieht sich.

Ehemalige Arbeitskollegen, Freunde und Nachbarn der getöteten Rentnerin aus Cottbus sind verunsichert. Immer wieder fragen sie bei Behörden und auch bei der RUNDSCHAU nach dem Verfahrensstand im Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder von Gerda K. Von Verschleppungstaktik oder gar der Möglichkeit, der Täter könne ungestraft davonkommen, ist die Rede. Immerhin läge der Mord an der 82-Jährigen eineinhalb Jahre zurück.

Tatsache ist: Der Prozess läuft, das Landgericht hat bis in den September hinein regelmäßig Verhandlungstermine angesetzt. Wie Gerichtssprecher Frank Merker auf RUNDSCHAU-Nachfrage mitteilt, sei ein Ende des Verfahrens derzeit noch nicht in Sicht. Das Jugendstrafverfahren befindet sich derzeit noch immer in der Beweisaufnahme. Aktuell würden, so Merker, noch immer zahlreiche Polizeibeamte als Zeugen vernommen. Der mutmaßliche Täter sitzt weiter in Untersuchungshaft.

Begonnen hatte der Prozess am 23. Oktober 2017. Seitdem ist über den Verlauf des Verfahrens gegen einen jungen Syrer kaum etwas an die Öffentlichkeit gedrungen, weil die Cottbuser Jugendstrafkammer nichtöffentlich über den Fall verhandeln muss. Von der Bevölkerung wird dieses Prozedere immer wieder kritisiert.

Da ein von der Staatsanwaltschaft beauftragtes Gutachten bescheinigt hatte, dass der Täter zur Tatzeit im Dezember 2016 „nicht älter als 18 Jahre“ gewesen sein kann, muss die Hauptverhandlung zwingend nach dem Jugendgerichtsgesetz unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführt werden.

Schon vor Beginn der Beweisaufnahme hatte es zahlreiche Verzögerungen im Prozessverlauf gegeben. Nach Auskunft eines Justizsprechers musste sich die Jugendstrafkammer nach Verlesung der Anklageschrift zunächst mit „mehreren Ablehnungsanträgen“ der Verteidigung befassen. Außerdem habe der Verteidiger des Angeklagten die Unvollständigkeit der Gerichtsakten moniert.

Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass der Syrer Gerda K. im Dezember 2016 ermordete, um Geld oder wertvolle Gegenstände in ihrer Wohnung zu erbeuten. Die Leiche der Frau war entdeckt worden, nachdem die Rentnerin nicht bei einer Weihnachtsfeier erschienen war.