Die zum Teil wenig schmeichelhaften Befunde aus einer großen Meinungsumfrage, aber auch die warnende Analyse des Politikwissenschaftlers Hans-Gerd Jaschke riefen sofort die Abgeordneten der Koalition auf den Plan, die darum baten, dass doch auch die positiven Aspekte berücksichtigt werden.

Die Opposition dagegen fühlte sich, wie der CDU-Abgeordnete Dieter Dombrowski sagte, „wenig überrascht“. Das Meinungsforschungsinstitut Forsa hatte beispielsweise ermittelt, dass insbesondere unter jungen Brandenburgern die sogenannten schlechten Seiten der DDR weit seltener benannt werden als bei denen, die die DDR noch aus eigener Lebenserfahrung kennen. Nur das Schreckensbild der Staatssicherheit scheint auch den unter 34-Jährigen hinreichend vertraut. Dass dennoch die Jüngeren als einzige Altersgruppe mit klarer Mehrheit der Überzeugung sind, es gehe im vereinigten Deutschland gerechter zu als einst in der DDR, und vor allem die Ostdeutschen haben in den letzten zwanzig Jahren von der Vereinigung profitiert, zeigt das Dilemma auf, das bei der Interpretation der Umfrageergebnisse entsteht. Einerseits sind die allermeisten Brandenburger entschiedene Anhänger des Rechts auf Meinungsfreiheit, andererseits war für sehr viele die DDR kein Unrechtsstaat. Einerseits fordert eine klare Mehrheit quer durch die Altersgruppen und Parteien, dass auch Stasi-Mitarbeiter „eine zweite Chance“ erhalten sollen, andererseits will eine noch größere Mehrheit sie nicht im öffentlichen Dienst sehen und erst recht nicht in politischen Ämtern. Ein Landtagsmandat beispielsweise für einen früheren Spitzel ist selbst für 50 Prozent der Wähler der Linkspartei unerträglich.

Die Forsa-Umfrage vermittelt vor allem ein Bild der weit verbreiteten mentalen Unsicherheit im Umgang mit der DDR und des Misstrauens vor einem eindeutigen politischen Urteil. Die Abgeordneten, die von den Zahlen ebenfalls überrascht wurden, wollen sie noch einmal in Ruhe auswerten. Professor Jaschke stellt mit seinem Versuch einer Analyse der politischen Kultur des Landes die Volksvertreter vor schwierigere Aufgaben. Brandenburger haben nach seinem Befund eine vergleichsweise große Distanz zur Politik, sie neigen zwar nicht generell zu rechtsextremen Ansichten, sind aber in einem relativ großen Ausmaß (zu etwa einem Drittel) fremdenfeindlich. Und Jaschke stellt fest, dass Brandenburg bei der Bereitschaft zum bürgerschaftlichen Engagement wie bei der Wahlbeteiligung zu den Schlusslichtern in Deutschland zählt.

Der Wissenschaftler stellt weiter fest, dass es deutliche Unterschiede bei der Einstellung zur Politik gibt zwischen den Menschen, die in der Nähe von Berlin leben und den Bewohnern der Gebiete, die in weiterer Entfernung zur Metropole liegen. Es gebe eine „Demokratie-Entwicklung mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten“. Er verlangt deswegen größere Anstrengungen, die sich auf die sogenannten Randlagen konzentrieren.