Die Bundesregierung werde Hilfeleistungen an Israel über die bereits zugesagten "Patriot"-Raketen hinaus leisten, sagte Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) gestern nach einem Gespräch mit seinem israelischen Gast. Mehr ließen sich beide Politiker nicht entlocken. Aber allem Anschein nach lässt Katzav auch einen großen Koffer in Berlin zurück - in der Hoffnung, dass er doch noch mit mehr als dem bereits Zugesagten gefüllt wird.
Allen anders lautenden Beteuerungen zum Trotz ist das deutsch-israelische Verhältnis derzeit von unerfüllten Wünschen gekennzeichnet. Noch im Sommer war der Besuch Katzavs als Aufbruch zu einer neuen Verständigung mit dem mächtigsten Partner Israels in Europa geplant worden. Bundespräsident Johannes Rau lud seinen Amtskollegen ein, weil Israel in Deutschland und Europa eine Zunahme des latenten Antisemitismus beobachtete - nicht zuletzt wegen gewisser Wahlkampfmanöver des FDP-Politikers Jürgen Möllemann. Möllemann gehört mittlerweile zu den Fußnoten der deutsch-israelischen Beziehungen.
Der Besuch Katzavs mit der als historisch gewürdigten Einweihung der Bergischen Synagoge in Wuppertal-Barmen setzte nach Einschätzung beider Seiten ein Signal für beide Gesellschaften. Doch die politischen Differenzen blieben offenkundig bestehen. Das Verhältnis zwischen Israel und Deutschland sei "nicht ungetrübt", sagt die Nahost-Expertin Margret Johannsen vom Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik in Hamburg (IFSH). Die gegenwärtige Debatte um die "Fuchs"-Transportpanzer sei gewissermaßen eine Fortsetzung der "kritischen Positionierung" der Bundesregierung zur Politik des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon in den Palästinensergebieten. Deutschland habe auch in der Vergangenheit durch Verzögerungen bei Waffenlieferungen den Versuch unternommen, "nicht mitschuldig" zu werden.
Sollte Katzav mit leeren Händen aus Berlin abreisen, hätte er ein wesentliches Ziel seines Besuchs nicht erreicht. Nach dem Gespräch mit Schröder im Kanzleramt betonte Katzav denn auch noch einmal die prekäre Sicherheitslage Israels: Iran und Syrien nannte er namentlich; obgleich Mitglieder der Vereinten Nationen bestritten sie Israels Existenzrecht. Es klang wie ein Appell neben Schröders eher kühlem Satz, die Bundesregierung nehme "das Leiden des israelischen Volkes durch den Terror zur Kenntnis". Nach seinem Eindruck würdige Israel sehr wohl das, "was wir im Rahmen unserer Gesetzlichkeit anbieten können", sagte der Kanzler weiter. Deutschland werde sich weiter in den internationalen Institutionen darum bemühen, dass der Terrorismus beseitigt werde.
Für die besonderen Befindlichkeiten in den sensiblen Beziehungen war bei diesem Besuch vor allem das deutsche Staatsoberhaupt zuständig. Rau sicherte Israel die Solidarität der übergroßen Mehrheit der Deutschen zu. Bestimmte Dinge wie der israelische Siedlungsbau oder das Verhalten Israels in den besetzten Gebieten könnten zwar unterschiedlich gesehen werden. Doch dürfe nicht vergessen werden, dass die Verschärfung des Nahost-Konflikts auf den mörderischen Terrorismus zurückzführen sei. Dies sei eine große Bedrückung für die Menschen in Israel.