S askia Ludwig steht an der Treppe im Werderaner Schützenhaus. Jedes einzelne Mitglied der CDU aus Potsdam-Mittelmark begrüßt sie per Handschlag. Pünktlich um 19 Uhr trifft sie auf ihre Konkurrentin Katherina Reiche. Die Damen grüßen sich eher unterkühlt: Die Parlamentarische Staatssekretärin aus Berlin und die frühere Landesvorsitzende der CDU sind die Hauptfiguren in einem Duell, das die Brandenburger Union schon seit Tagen den Atem anhalten ließ. In einem Duell, bei dem es formell lediglich um die CDU-Kandidatin im Bundestagswahlkreis 61 ging, den die CDU noch nie direkt gewinnen konnte. In dem es aber tatsächlich um nichts anderes ging, als um eine Richtungsentscheidung in der Landespartei: Überraschend hatte die abgewählte Vorsitzende der Landtagsfraktion erst vor 14 Tagen erklärt, sich um das Bundestags-Direktmandat im Wahlkreis Potsdam-Mittelmark bewerben zu wollen. Im Wahlkreis der erfolgreichen Bundespolitikerin und Merkel-Vertrauten Katherina Reiche.

Am Freitagabend war es nun an den Parteimitgliedern, über die Kandidatinnen zu entscheiden: Rund 400 CDU-Mitglieder, darunter der Ehrenvorsitzende und Ex-Minister Jörg Schönbohm, sind zur Wahlversammlung in den Bürgersaal gekommen. Die in ein beigefarbenes Kostüm gekleidete Saskia Ludwig gibt sich bürgernah: "Ich habe mich in den vergangenen Wochen bewusst nicht öffentlich geäußert, weil Sie es sind, die heute hier sind, entscheiden und wählen", sagte die aus Werder stammende, ehemalige Fraktionsvorsitzende der Landtagsfraktion. "Als ich 1998 meinen ersten Wahlkampf bestritten habe, war mein Motto: Politik mit gesundem Menschenverstand - das war ein Grundsatz, der leitet mich bis heute." Sie wolle keine "Posten anstreben, sondern unseren Wahlkreis optimal im Bundestag vertreten".

Ganz anders ihre Gegenkandidatin Katherina Reiche. Mit den Floskeln der Bundespolitikerin spricht sie von der "wertegebundenen, zukunftsliebenden und freiheitsorientierten Politik". Reiche redet über Globalisierung und die Eurokrise, über die Entwicklung von Wissenschaftsstandorten. Bundesgelder will sie für den Wahlkreis geholt haben, für die Friederisiko-Ausstellung in Potsdam und die Trauerhalle am Bornstedter Friedhof.

Am Ende war das Ergebnis knapp. 223 der stimmberechtigten Mitglieder entschieden sich für die erfahrene Bundespolitikerin Katherina Reiche, 184 für die Herausforderin Saskia Ludwig. "Der politische Gegner ist nicht hier, der politische Gegner ist der Mitbewerber", sagte die strahlende Siegerin. "Die Hand bleibt immer ausgestreckt, auch für die, die mich heute nicht gewählt haben."

Für die gebeutelte Landes-CDU ist dieses Ergebnis zumindest eine kleine Befreiung: Nicht einmal in ihrem eigenem Heimatwahlkreis findet Saskia Ludwig eine Mehrheit. Michael Schierack, der designierte Landesvorsitzende aus Cottbus, wird künftig wieder etwas ruhiger schlafen können - immerhin hatte er sich in den vergangenen Tagen klar und deutlich für Reiche ausgesprochen. Auf dem kommenden Landesparteitag wird es für ihn und die designierte Generalsekretärin Anja Heinrich aus Elbe-Elster nun wohl etwas einfacher werden, die angestrebten Ämter zu erringen. Die politische Karriere von Saskia Ludwig dagegen dürfte bis auf Weiteres beendet sein.