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Kartoffelsuppe, FKK und Hipster

Die "Heute-Show" erkennt in Merkels Kartoffelsuppen-Rezept ihre "verbindlichste Aussage in zwölf Jahren Kanzlerschaft".
Die "Heute-Show" erkennt in Merkels Kartoffelsuppen-Rezept ihre "verbindlichste Aussage in zwölf Jahren Kanzlerschaft". FOTO: dpa
Berlin. Angela Merkel geht im Wahlkampf bis zum Äußersten: Sie wird privat. "Ich zerstampfe die Kartoffeln immer selbst mit einem Kartoffelstampfer und nicht mit der Püriermaschine", verrät sie der "Bunten". Caroline Bock

Solche Sätze sind eine Steilvorlage für die "Heute-Show", die Satiresendung im ZDF. "Endlich: Merkels verbindlichste Aussage in zwölf Jahren Kanzlerschaft", schreibt die Redaktion zur Causa Kartoffelsuppe.

Der Wahlkampf liefert einiges an Satire-Material. Schon bei den Formalien geht was schief: In Heidelberg plakatiert die CDU aus Versehen SPD-Plakate. Im Wahlkreis Kreuznach müssen Stimmzettel nachgedruckt werden, das Papier war zu dünn fürs Wahlgeheimnis. Vor dem TV-Duell reklamiert die SPD im Internet den Sieg schon Stunden vorher für sich - und entschuldigt sich nach dem "peinlichen Fehler" für die angerichtete "Verwirrung".

Nacktes geht immer, gerade im Sommer: Das weiß Medienprofi Gregor Gysi, der im "Playboy" das Verschwinden von FKK im Osten beklagt. Er verspricht, sich bei seinen Linkspartei-Kollegen für FKK im Osten einzusetzen. Sich selbst ausgenommen: "Alles hat Grenzen", sagt Gysi der "Bild"-Zeitung, die ihn zu den Nackten am Berliner Müggelsee begleitet und ihn damit auf den Titel hebt. "Wenn überhaupt, findet FKK bei mir nur noch zu Hause statt."

CDU-Politiker Jens Spahn findet ein neues Feindbild: den Kellner, der in den Berliner Cafés nur Englisch spricht. Das gehe ihm "auf den Zwirn", so Spahn. Mit dieser Meinung ist er in Berlin gar nicht so allein. Nachdem das Interview der "Neuen Osnabrücker Zeitung" Spahn ins Gespräch gebracht hat, legt er nach. In der "Zeit" kritisiert Spahn, die Hipster, also die vermeintlich coolen Leute, schotteten sich mit ihrem Englisch ab. "Hipster-Hass als Wahlkampf-Thema. Groß!", schreibt das Modeblog "Dandy Diary" dazu.

FDP-Chef Christian Lindner wirkt auf den Wahlplakaten wie ein Rasierwasser-Model. Er ist so präsent, dass das Satiremagazin "Extra 3" ein Bild mit dem Spruch versieht: "Alle elf Sekunden verliebt sich ein Liberaler in sich selbst." Manche fühlen sich bei Lindner an einen Vertreter erinnert, der eine Thermomix-Maschine verkauft. Die Twitteraktion bekommt das Schlagwort "ThermiLindner".

Während die Grünen im Wahlkampf diesmal vergleichsweise unauffällig waren, legt sich SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz mit den Golfspielern an. Mit Blick auf die Bosse der Autoindustrie sagt er: "Mich interessieren die Golffahrer deutlich mehr als diese Golfspieler. Die Arroganz dieser Leute gefährdet einen ganzen Industriezweig."

Eine "Frechheit" und "öffentliche Diffamierung" sei das, donnert Claus M. Kobold, Präsident des Deutschen Golf Verbands. "Neue Freunde haben Sie sich mit Ihrem Golfvergleich sicherlich nicht gemacht." Überraschen werde es Schulz vielleicht, dass es im Golfsport sehr viele SPD-Sympathisanten gebe - "oder jetzt möglicherweise gab".

Auch die Rechtspopulisten, die erstmals in den Bundestag einziehen wollen, bieten schräge Momente. Die AfD-Vizevorsitzende Beatrix von Storch posiert neben dem polizeibekannten Rapper Bu shido vor der Kamera. Die beiden hatten einen gemeinsamen Interviewtermin.

Was die einen für kurios halten, ist für den anderen eine Profilierung im Wahlkampf. Es sei eine Frage der Interpretation, sagt der Politikerwissenschaftler Oskar Niedermayer von der Freien Universität Berlin. Jens Spahn wollte demnach sein konservatives Profil schärfen. Martin Schulz habe mit dem Golfspieler-Zitat zeigen wollen: "Die kleinen Leute sind ihm wichtiger als die Reichen."

Durch die Medien und das Internet ist der Wahlkampf rasanter geworden, wie Niedermayer bestätigt. "Bestimmte Fehler werden viel schneller und härter bloßgestellt." Bei Kuriosem an Wahlkampf denkt Niedermayer an das Jahr 2002, als sich der damalige FDP-Chef Guido Westerwelle eine "18" an die Schuhsohlen klebte, für die angestrebten 18 Prozent der Stimmen. Westerwelles Wahlkampf-Auto war das "Guidomobil". Gelitten hat die Kampagne dann, als Teile Deutschlands im Hochwasser standen, wie Niedermayer erinnert.

Ganz ernst meint es angeblich Serdar Somuncu, Kandidat der für Satire bekannten "Die Partei". "Ich glaube wirklich, dass es eine gute Idee ist, als Alternative zu Merkel und Schulz anzutreten", sagt der Comedian dem "Tagesspiegel". Somuncu tritt als Direktkandidat im Wahlkreis Friedrichshain-Kreuzberg an. "Den Bezirk kenne ich nicht, und der interessiert mich nicht", sagt er. "Ich plädiere dafür, dass mich die Menschen wählen, weil ich auf dem Wahlzettel stehe."