Bush seinen afghanischen Amtskollegen Hamid Karsai einen "starken Führer" nannte. Karsai dankte es, indem er von Bush als einem "großen Freund" sprach, der Afghanistan befreit habe.

Wenn Karsai am heutigen Freitag in Washington US-Präsident Barack Obama trifft, dürfte die Atmosphäre weniger herzlich sein. Von der Erfolgsgeschichte, als die Bush den Afghanistan-Einsatz darstellte, ist nicht mehr viel übrig. Inzwischen geht es darum, den Krieg nicht zu verlieren. Deswegen ist der von den USA nun angedrohte vollständige Abzug nach dem Ende des Einsatzes der Schutztruppe Isaf 2014 unwahrscheinlich. Brächen die USA ihre Zelte ab, müssten auch die Soldaten aller anderen Nationen ihr Marschgepäck schultern.

Ein internationaler Einsatz ohne die Amerikaner, die mehr als zwei Drittel der ausländischen Soldaten stellen, ist undenkbar. Die afghanischen Sicherheitskräfte werden auch nach 2014 nicht ohne internationale Unterstützung für Stabilität sorgen können. Derzeit ist nach Pentagon-Einschätzung nur eine von 23 Armeebrigaden in der Lage, alleine zu operieren. Dass die Taliban bis 2014 nicht besiegt sein werden, räumen auch Nato-Generäle ein. Ohne schlagkräftige Sicherheitskräfte wäre der Sturz der Regierung in Kabul nur eine Frage der Zeit. Eine zentrale Forderung Washingtons und der Nato, über die Obama und Karsai nun diskutieren werden: Dass Afghanistan ausländischen Soldaten auch bei Folgeeinsätzen ab 2015 Schutz vor Strafverfolgung zusichert. Westliche Experten sprechen von einem "Deal Breaker": Ohne Immunität keine neuen Einsätze.